20.11.2005

KOMMERZIELL

Podcasts werden zum Massenmedium

Podcasting kann man mit ruhigem Gewissen als einen der wichtigsten Internet-Trends des Jahres 2005 bezeichnen. Nachdem die selbst gebastelten Radioprogramme, die per Download-Abos ihre Zuhörer finden, anfänglich als witziger Zeitvertreib abgetan wurden, entwickelt sich Podcasting nun in eine immer kommerziellere Richtung.

Auch traditionelle Medienhäuser wie CBS und Walt Disney setzen bereits auf die Kurzprogramme zum Mitnehmen, IT-Firmen wie Yahoo, Apple und Google liefern das nötige Werkzeug für die Nutzer.

Laut Schätzungen des Marktforschers Bridge Ratings haben 2005 bisher rund 4,8 Millionen Menschen weltweit schon einmal Podcasts heruntergeladen. 20 Prozent davon hören sich regelmäßig Podcasts an, laden im Schnitt sechs Podcasts in der Woche herunter und wenden vier Stunden im Monat für das Anhören auf.

Die Tendenz ist steigend: Die Zahl der Podcast-Hörer soll demnach bis 2010 auf 62,8 Millionen steigen.

Auf der Suche nach Einnahmequellen

Podcasting-"Vater" Adam Curry etwa startet diesen Monat ein Podcasting-Netzwerk, in dem sich 30 bis 50 Shows die Werbeeinnahmen aufteilen. Und Platz für Werbung gibt es genug: Sei es in Form eines klassischen Clips zu Beginn des Podcasts oder in Form von Produktvorstellungen durch die jeweiligen Moderatoren.

Dieses Geschäftsmodell scheint auch bei Investoren gut anzukommen, Curry erhielt für sein Projekt eine Zehn-Millionen-Dollar-Finanzspritze von Kleiner Perkins Caufield & Byers und Sequoia Capital.

Bisher zahlen die Werber meist eine Flatfee für das "Sponsoring" eines Podcasts. Das erweist sich für die Firmen immer öfter zum Glücksgriff, weil die Zahl der Abonnenten kontinuierlich steigt. Deshalb werden derzeit Modelle ausgearbeitet, in denen die Werber eine Gebühr per tausend Zuhörer bezahlen. Auch damit sind die Sponsoren einverstanden, weil sie über Podcasts eben sehr spezielle Zielgruppen erreichen können.

Das ist auch der Grund, warum Finanzinvestoren glauben, dass sich Podcasting schon bald ein bis zwei Milliarden Dollar vom traditionellen Radio-Werbemarkt abzwacken könnte.

Ausgefeilte Messinstrumente

Das Internet-Service Audible, das auch digitale Hörbücher zum Download anbietet, will nun ein Tool vorstellen, mit dem Werber zuerlässig messen können, wie viele Zuhörer ein Podcast tatsächlich hat.

Schließlich werden nicht alle heruntergeladenen Podcasts dann auch tatsächlich angehört. Dieses Tracking-Service soll Podcastern für drei Cent pro Download angeboten werden, Audible berichtet dann, ob und wie lange der Podcast angehört wurde.

Und so wird ein Zeitvertreib zur Einnahmequelle.