19.11.2005

HALBJAHR 2005

Sanierung ist letzte Chance für Sanyo

Der hoch verschuldete japanische Elektronikkonzern Sanyo sieht in einer milliardenschweren Kapitalerhöhung seine letzte Rettungschance.

Im ersten Halbjahr rutschte Sanyo tiefer in die roten Zahlen und hob die Verlustprognose für das Gesamtjahr um zwei Drittel an.

Zur Rettung des angeschlagenen Unternehmens will Sanyo sein kränkelndes Mikrochip-Geschäft drastisch herunterfahren und sich eventuell ganz aus dem japanischen Fernseher-Markt zurückziehen.

Zudem werde der Verkauf der Leuchtdioden-Sparte und ein Teilverkauf des Finanzbereiches in Erwägung gezogen.

Neue Aktien für 2,5 Mrd. US-Dollar

Die Ausgabe neuer Aktien soll umgerechnet etwa 2,5 Milliarden US-Dollar in Kasse spülen. Wie Sanyonbekannt gab, sollen die Aktien unter anderem an Goldman Sachs, Daiwa Securities SMBC und Sanyos wichtigsten Finanzpartner, die Sumitomo Mitsui Banking, ausgegeben werden.

Anleger werteten dies als gutes Zeichen. Kurz nach der Ankündigung zog der Aktienkurs des Elektronikkonzerns um rund 2,5 Prozent an.

"Die Finanzspritze war absolut notwendig und wird einige Spannungen in der Bilanz mildern", urteilte Fondsmanager Hajime Yagi. "Ob sie dadurch allerdings das Kerngeschäft Elektronik restaurieren können, ist eine andere Frage", fügte er hinzu.

142,53 Mrd. Yen Verlust im Halbjahr

Sanyo ist ein Symbol dafür, wie kurzlebig Erfolg im digitalen Zeitalter besonders für Technikunternehmen sein kann. Noch vor wenigen Jahren galten die Japaner als einer der Gewinner des technischen Fortschritts.

Im vergangenen Jahr beschädigte ein Erdbeben eine Chip-Fabrik des Unternehmens schwer und die Nachfrage nach digitalen Kameras ließ nach.

Unter anderem wegen einer Neubewertung der Vermögenswerte rutschte der Konzern nun im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres tiefer in die roten Zahlen als von den Analysten erwartet.

Von April bis September ist ein Netto-Verlust von 142,53 Milliarden Yen [rund eine Milliarde Euro] angefallen. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Netto-Gewinn von 3,4 Milliarden Yen verbucht.

Konzernumbau

In den nächsten drei Jahren will Sanyo 14.000 Arbeitsplätze abbauen, etliche Werke schließen und die Hälfte des 1,2 Billionen Yen hohen Schuldenbergs tilgen.

In Zukunft will sich Sanyo auf Produkte konzentrieren, die im Zusammenhang mit Umwelt und Energie stehen. So soll etwa das Geschäft mit wiederaufladbaren Batterien und Solarzellen gestärkt werden.

Der Halbleiterbereich könnte abgespalten werden. "Ich möchte klarstellen, dass wir nichts unternehmen, was keinen Profit verspricht", erklärte Präsident Iue.