Neue Suchmaschine sucht nach dem Sinn

13.05.2008

In den USA ist mit Powerset eine neue Suchmaschine an den Start gegangen, die Inhalte nicht nur nach Schlüsselwörtern, sondern auch nach ihrem Sinn durchforstet. Vorerst ist Powerset auf Wikipedia und Freebase beschränkt, dennoch machen bereits erste Kaufgerüchte die Runde.

Nach mehrjähriger Entwicklungszeit ist am Sonntag die bereits im Vorfeld starke gehypte erste Betaversion von Powerset live gegangen.

Der US-Anbieter verspricht den Suchenden, Inhalte nicht nur anhand bestimmer Schlüsselwörter zu finden, sondern auch über "natürliche Sprache".

Powerset versucht, den Inhalt einer Website zu verstehen, und analysiert dazu ganze Sätze und Dokumente. Die Wörter sollen nicht nur einzeln, sondern auch im Zusammenhang zueinander ausgewertet werden.

Fakten statt Websites

Dadurch soll das System laut Anbieter besser erkennen, was die Suchenden wirklich brauchen, und entsprechend bessere Resultate liefern können.

Suchmaschinen wie Google suchen und indizieren nach Schlüsselwörtern und liefern dem Nutzer als Ergebnis seiner Suche weiterführende Websites.

Powerset soll hingegen bereits auf den ersten Blick die passenden Antworten liefern, indem wichtige Fakten ["Factz" genannt] aus den Texten extrahiert und eigens aufgelistet werden.

Die Nutzer können ihre Fragen in ganzen Sätzen fomulieren, die entsprechend ausgewertet werden. Auf die Frage "Who acquired IBM?" liefert Powerset etwa gleich am Anfang konkrete Angaben, welche Firma welche Abteilungen von IBM gekauft hat. Google hingegen listet auch Firmen auf, die IBM seinerseits gekauft hat.

Beschränkt auf Wikipedia und Freebase

Derzeit ist Powerset auf Wikipedia und die freie Wissensdatenbank Freebase beschränkt - zum Test und aus Ressourcengründen, wie die Gründer gegenüber "Mercury News" erklärten.

Die Technologie dahinter ist sehr rechenintensiv, für die Analyse einer Seite kann ein einzelner Prozessor bis zu 20 Sekunden brauchen. Derzeit sind 2,5 Millionen Wikipedia-Seiten erfasst. Eine Ausweitung würde neben Rechenkapazität vor allem auch viel Geld kosten.

Auf den Spuren von HAL 9000?

Dennoch hoffen die Gründer, dass die Einschränkung nicht zu viele potenzielle Nutzer abhält. "Es soll den Appetit nach mehr anregen", so Barney Pell gegenüber "Mercury News". Auf lange Sicht solle das System wie der Computer HAL 9000 aus "2001: Odyssee im Weltraum" agieren, so Pell.

Erste Rezensenten bescheinigen dem Service durchaus Potenzial und interessante Features, allerdings sei die Anwendung noch zu beschränkt, um zeigen zu können, was sie wirklich könne.

Die Technologie hinter Powerset stammt zum Teil von Xerox' Palo Alto Research Center [PARC] und wurde lizenziert, der Rest ist Eigenentwicklung.

Werbung oder Verkauf an Microsoft

Verdienen will Powerset wie alle anderen Anbieter in dem Gebiet mit Werbung - vorerst allerdings kommt das Geld noch von Investoren wie Foundation Capital und Founders Fund. Für eine Finanzierung über Werbung müsste Powerset auch genügend Nutzer anziehen, die dann beworben werden können.

Viel mehr Geld könnte hingegen von Microsoft kommen: Nach dem Rückzieher bei Yahoo wird bereits heftig spekuliert, dass der Redmonder Konzern bei Powerset vergleichsweise günstig zuschlagen könnte, um seine eigene Suche zu verbessern.

Kein Interesse von Google

Laut dem Online-Dienst TechCrunch wird zwischen Powerset und Microsoft bereits seit einem Monat verhandelt, die gebotene Summe soll sich derzeit auf 100 Millionen Dollar belaufen.

Google hingegen soll kein Interesse an der Technologie haben. Die Google-Führung hatte zuletzt erklärt, dass eine sprachbasierte Suche wie Powerset keine besseren Ergebnisse als bisherige Ansätze produziere und noch Jahre von einer praktikablen Anwendung entfernt sei.

(futurezone | Reuters | Washington Post | Business Week)