Erste Knoten für das Semantic Web

21.10.2007

Semantische Technologien bieten Möglichkeiten für besseres Finden, effizienteres Arbeiten, einfachere Zusammenarbeit und das Entdecken von Zusammenhängen zwischen vorhandenen Daten. Sie werfen aber auch Fragen des Datenschutzes auf, berichtet das Ö1-Magazin "matrix" heute um 22.30 Uhr.

1989 entwickelte Tim Berners-Lee HTML und schuf damit eine wichtige Grundlage für das World Wide Web. In einem Interview mit "Technology Review" erklärte er, dass das damals eine Problem gelöst hätte. Im WWW konnten damit erstmals Dokumente einheitlich dargestellt und mit anderen Dokumenten verlinkt werden.

Berners-Lee hat aber längst ein neues Problem, denn die Hyperlinks verbinden bloß Dokumente, nicht aber Daten. „Wie passen all diese Berichte zu all diesen Ereignissen?“ oder: „Wo sind alle meine Freunde im Vergleich mit den Lokalen, in denen ich gerne einen Kaffee trinke?“ seien Fragestellungen, auf die er jetzt gerne Antworten bekommen möchte, sagt Berners-Lee im Videointerview.

Vor etwa zehn Jahren hatte Ora Lassila, Forscher am Nokia Research Center, diese Vision vom hilfreichen Web in einem Gespräch mit Berners-Lee entworfen; später etablierte sich dafür der Begriff Semantic Web.

RDF wichtige Grundlage

Wenn das World Wide Web sozusagen die Bedeutung von Informationen verstehen können soll, braucht es zusätzliche Informationen über vorhandene Daten. Eine wichtige Grundlage dafür ist RDF, eine Abkürzung für Resource Description Framework. Diese Auszeichungssprache für Metadaten basiert wiederum auf so genannten triples oder statements, die aus Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen.

Ein Beispiel wäre: „Tim Berners-Lee ist eine Person“ oder „Ora Lassila ist tätig bei Nokia Research Center“. Mit einem triple kann also ein Objekt [hier allgemein gesprochen] zu einem anderen Objekt in Beziehung gesetzt werden.

Funktionsweise

Auf sem'base, einer Wissensbasis für die zahlreichen Semantic-Web-Projekte, an denen in Österreich gearbeitet wird, kann man die Funktionsweise eines semantischen Wiki sehr gut ablesen.

Klickt man neben dem Eintrag einer Person auf „view as RDF“, kann man den Code sehen, der unter der Textoberfläche steckt. Jedes Projekt, jede Person und jede Organisation sind damit kurz und exakt definiert und in Beziehung gesetzt. Man kann also zum Beispiel eine Projektbeschreibung aufrufen, nachschauen, wer aller daran arbeitet, und dann schauen, woran diese Personen noch arbeiten und wen sie kennen.

Das Besondere daran: diese Daten müssen bei jeder Person, jeder Organisation oder jedem Projekt bei der Erstellung der Daten nur einmal angegeben werden. Die Verlinkung – also das In-Beziehung-setzen, erfolgt beim Einsatz semantischer Technologien automatisch.

Semantische Technologien bieten deshalb vielfältige Möglichkeiten für besseres Finden, für effizienteres Arbeiten, für einfachere Zusammenarbeit über räumliche Grenzen hinweg und für das Entdecken von Zusammenhängen zwischen vorhandenen Daten.

Fragen des Datenschutzes

Gerade dieser Umstand schafft aber auch eine Gefahr in Sachen Datenschutz: In einem Semantic Web werden Daten aus unterschiedlichsten Quellen zusammengesucht und miteinander verknüpft. Wer welche Daten verwendet und woher diese stammen, kann damit nicht mehr nachvollzogen werden.

Derzeit ist auch völlig unklar, welches Datenschutzrecht zur Anwendung kommen sollte, denn die Daten werden ja nicht mehr nur aus einem Server gezogen, auf den man ein nationales Recht vielleicht anwenden könnte.

Andreas Blumauer von der Semantic Web Company fordert deshalb dringend eine Auseinandersetzung mit Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre im Zusammenhang mit dem Semantic Web, weil semantische Technologien zum Beispiel Beziehungen zwischen Personen deutlich machen können, die ohne sie nicht erkennbar gewesen wären.

Mehr dazu am Sonntag, den 21.10. 2007, um 22.30 Uhr, im Ö1-Magazin "matrix": Suchen Sie noch oder finden Sie schon? Erste Knoten für das Semantic Web

(Sonja Bettel)