MS sieht Open Source nicht als Konkurrenz
Der weltgrößte Softwarekonzern schlägt in der bisher scharf geführten Auseinandersetzung mit freien Softwareprojekten wie Linux moderatere Töne an.
"Wir konkurrieren nicht mit Open Source", sagte Microsoft-Stratege Martin Taylor am Montag in München. Open Source sei nur eine Methode, Software zu schreiben. "Wir stehen ja auch nicht mit dem Wetter im Wettbewerb", sagte Taylor.
2001: Open Source als "Krebsgeschwür"
Microsoft konkurriere mit konkreten Produkten wie dem
Betriebssystem Linux und dem Web-Server Apache und den damit
verbundenen kommerziellen Dienstleistungen. 2001 hatte Ballmer Open
Source noch als "Krebsgeschwür" bezeichnet, das "in Bezug auf
geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt".
OS-Guru lacht über MS-Jobangebot"Emotionale Debatte"
Unter Open Source versteht man Programme, deren Quelltext [Source-Code] frei eingesehen und unter bestimmten Bedingungen auch verändert werden kann. Open-Source-Programme dürfen beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden.
Microsoft dagegen arbeitet mit einem kommerziellen Software-Modell, bei dem der Quellcode der Programme Eigentum des Softwarekonzerns bleibt. Kunden und Partner können nur in engen Grenzen Einblick in den Programm-Code erhalten [Shared Source].
Taylor, der als "General Manager Platform Strategy" in der Microsoft-Führung für den Wettbewerb mit anderen System-Plattformen zuständig ist, räumte ein, auch sein Unternehmen habe vor drei, vier Jahren eine sehr emotionale Debatte über Open Source geführt.
MS von seinen Lösungen überzeugt
Mit der Übernahme des deutschen Linux-Distributors SuSE durch den
US-Softwarekonzern Novell sowie den finanziellen Erfolgen des
Linux-Anbieters Red Hat habe sich diese Diskussion aber immer weiter
versachlicht. "Die Kunden schauen heute stärker auf die Gesamtkosten
einer Softwarelösung. Und wir sind davon überzeugt, dass Microsoft
hier unterm Strich besser abschneidet."
Deutscher Bundestag komplett unter LinuxOpen Source "keine Wunderwaffe"
Alfons Stärk, Plattform-Manager bei Microsoft Deutschland, betonte, Linux und andere Open-Source-Programme würden heute nicht mehr als die Wunderwaffe angesehen, mit der man alle Probleme in der Informationstechnologie lösen könne. Microsoft gewinne inzwischen Kunden zurück, die einige Jahre lang mit Open-Source-Lösungen gearbeitet hätten, etwa das Landratsamt im Kreis Bergstraße.
