19.09.2005

PRINT & ONLINE

"NYT" setzt auf exklusiven Bezahl-Content

Mit ihrem "TimesSelect"-Dienst bietet die "New York Times" ["NYT"] seit Montag für 49,95 Dollar pro Jahr "direkten" Zugang zu bekannten Kolumnisten wie David Brooks und Paul Krugman, Vorabberichte zu Sonderbeilagen und Zugriff auf das eigene Archiv.

Dabei setzt die "NYT" durchwegs auf Exklusivität, die 22 Kolumnisten etwa sollen nicht nur eigene Storys für "TimesSelect" schreiben, sie sollen den Lesern auch direkt Rede und Antwort stehen, bei runden Tischen tagesaktuelle Themen diskutieren und in eigenen Videos von ihren Erfahrungen berichten. Podcasts sind ebenfalls in Vorbereitung.

Im Archiv können die Nutzer zudem bis zum Jahr 1981 zurücksuchen und mit dem Abo daraus bis zu 100 Artikel pro Monat lesen, in Zukunft soll die Suche bis 1851 verfügbar sein.

"Erwarten keine zehn Mio. Nutzer"

Die "NYT" will nach eigenen Angaben vor allem die eine Millionen intensiven Nutzer ihrer Online-Ausgabe ansprechen, die die Print-Ausgabe der Zeitung nicht abonniert haben.

Man erwarte keine zehn Millionen zahlende Nutzer, man brauche sie auch nicht, damit sich das Geschäftsmodell rechne, so Martin Niesenholtz von der "NYT" gegenüber "Businessweek".

Ob die Kolumnisten für ihre Extra-Arbeit auch extra Geld bekommen und wenn wie viel, dazu wollte die Zeitung keine Angaben machen.

Bisher haben es nicht viele Zeitungen geschafft, mit ihren digitalen Ausgaben und Online-Angeboten Leser zu erreichen bzw. zu halten, abgesehen vom "Wall Street Journal", das derzeit rund 750.000 Leser hat, und einigen auf Wirtschaftsthemen spezialisierten Websites.

Der Wert der Marke

Jeder versuche derzeit herauszufinden, wie man für Online-Angebote Geld verlangen kann, so ein Insider gegenüber "Businessweek". Die "NYT" hat damit bereits Erfahrungen gemacht, nicht immer die besten.

Ein Grund, warum die "NYT" bei ihrem Bezahl-Angebot auf ihre Kolumnisten setze, sei, weil diese für die Werbebranche weniger interessant seien und man daher leichter experimentieren könne, so Nisenholtz.

Mit den Kolumnisten setzt die "NYT" allerdings auch auf ihre eigene Marke und deren Wirkung bzw. hofft auf Kundenbindung. Es wird sich zeigen, wie viele Nutzer, die bisher mit dem kostenlosen Online-Angebot der Zeitung genug hatten, bereit sind, dafür 50 Dollar pro Jahr zu zahlen. Der größte Teil der Berichte und Meldungen in der Online-Ausgabe der "New York Times" bleibt gratis.