Japans Wahlkampf ist "offline"
Ein 55 Jahre altes Gesetz, das die Zahl der Wahlkampf-Poster, Flugzettel und Briefwurfsendungen regulieren soll, wurde derart interpretiert, dass nun auch Websites, E-Mails und anderes Material aus dem Netz als Wahlmaterial gezählt werden.
Bei Zuwiderhandeln drohen bis zu 500.000 Yen Strafe [rund 3.650 Euro] oder der Verlust von Stimmen und zwei Jahre Gefängnis.
Entsprechend unaktuell sind die Websites der politischen Parteien, die laut der australischen Zeitung "The Age" seit dem 30. August nicht mehr upgedatet wurden - dem offiziellen Start des Wahlkampfs in Japan.
Aber auch die Mailing-Lists und Weblogs der Kandidaten halten sich an die für das technikbegeisterte Japan ungewöhnliche Regelung.
Zwar können die Parteiprogramme von den Websites weiter heruntergeladen werden, aktuelle News-Updates, Videos oder andere Informationen werden aber nicht angeboten. Etwaige Fragen können laut "The Age" von den Wählern ebenfalls nicht online an die Kandidaten gestellt werden.
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Damit ist der japanische Wahlkampf im Netz faktisch nicht existent, obwohl ausreichendes Interesse an Infos aus dem Netz besteht.
So verzeichnete die Blog-Suchmaschine Technorati einen 20-prozentigen Anstieg, seitdem die Wahl ausgerufen wurde.
Das sei keine Überraschung, vielmehr ein Zeichen der Zeit, meint Yukawai Tsuruaki von Jiji Press und selber Blogger. Blogger würden gerne diskutieren und Wahlen seien ein großartiges Thema.
Die Frage sei nicht, wie viele Menschen das Netz erreichen könne oder wie groß es sei. Es zähle, wie viele Menschen damit erreicht werden, die die Massenmedien nicht bedienen könnten, so Tsuruaki.
Die japanischen Medien erreichten 80 bis 90 Prozent der Japaner, doch viele vor allem junge Menschen würden keine Zeitungen lesen oder fernsehen. Das Internet könne genau diese Gruppe erreichen.
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