24.08.2005

VOR 10 JAHREN

Am Tag, als Windows 95 kam

Für manche Experten war das neue Windows 95, das Microsoft vor zehn Jahren auf den Markt brachte, nur das überfällige Update eines altertümlichen Produkts. Schließlich hatte Gates schon 1983 angekündigt, das MS-DOS-System der ersten PC-Generation durch ein grafisches "Windows" abzulösen.

Während Microsoft nur in winzigen Schritten vorankam, hatte Apple mit dem Macintosh in der Zwischenzeit längst gezeigt, wie man einfach zu bedienende Computersysteme baut.

Zwölf Jahre nach der Ankündigung und etlichen mehr oder weniger erfolgreichen Zwischenversionen wie Windows 3.1 war es bei Microsoft dann auch so weit.

Begleitet von einem bis heute unerreichten Marketing-Aufwand präsentierte Gates am 24. August 1995 das System, mit dem Microsoft in den kommenden Jahren seine führende Position in der PC-Industrie uneinholbar ausbauen würde.

Win95 und die Midnight-Madness

Am 24. August 1995 um 0.00 Uhr öffneten in den USA viele Computergeschäfte, um in "Midnight-Madness"-Events die ersten Packungen mit den Windows-95-Disketten und -CDs zu verkaufen.

Das Lokal-TV in Seattle zeigte einen jungen Mann, der in einem CompUSA- Store die neue System-Software erstanden hatte, obwohl er gar keinen PC besaß. "Ich musste das einfach kaufen. Es ist so hip", sagte er dem verdutzen Live-Reporter ins Mikrofon.

Ballmer, kein Browser und kein Netz

Steve Ballmer, seit Jänner 2000 CEO von Microsoft, erinnerte sich bei "Cnet" an die Stimmung vor zehn Jahren. Alle seien restlos begeistert gewesen, sagte Ballmer und: Vom Internet sei noch keine Rede gewesen. Alles drehte sich um die Clientseite.

Windows 95 wurde noch ohne Webbrowser ausgeliefert - Mitte 1995, als das Web längst in aller Munde war. Gates und Ballmer waren damals noch überzeugt, mit dem proprietären Online-Dienst MSN dem Web Paroli bieten zu können.

Als Netscape dann mit immer neuen Versionen seines Browsers den Markt überrannte, wachte Gates auf und rang den Konkurrenten nieder. Als zweites großes Manko von Windows 95 erwies sich das auf Stand-alone-Maschinen zugeschnittene Sicherheitskonzept, ein Problem, das Microsoft auch in den späteren Windows-Versionen nicht wirklich in den Griff bekam.