23.07.2005

VIDEOSPIELE

Industrie nimmt Modder ins Visier

Nachdem Politik, Eltern und diverse Gruppen in den USA heftigen Druck gemacht hatten, änderte die unabhängige Kontrollstelle ESRB [Entertainment Software Rating Board] wie berichtet die Einstufung von "GTA: San Andreas" [SA].

Wegen im Spiel versteckter Sex-Szenen, die durch die Modifikation Hot Coffee freigeschalten wurden, ist das Spiel statt ab 17 Jahren [M - Mature], nun nur mehr für Erwachsene [Adults Only - AO] erlaubt.

Viele US-Händler nahmen das Spiel daraufhin aus den Regalen, Rockstar befürchtet bis zu 50 Millionen Dollar weniger Einnahmen - und will den Schuldigen nun bei den Herstellern jener Hardware finden, die solche Modifikationen ermöglichen.

Damit könnte das bisher friedliche und auch fruchtbare Nebeneinander von Spielen und deren Modifikationen ein jähes Ende finden.

Copyright und Nutzungsbedingungen

Take Two, Mutterkonzern von Rockstar, sieht in der Modifikation eine Verletzung des Copyrights und der Nutzungsbedingungen. Der Hersteller prüft laut eigenen Angaben rechtliche Möglichkeiten gegen jene Firmen, die Tools für solche Änderungen bereitstellen und damit vom SA-Mod profitiert haben.

Die Reaktion scheint unverhältnismäßig, schaltet die Modifikation doch bereits im Spiel enthaltene Szenen frei und ändert den Code selbst nicht. Doch für Rockstar und die Industrie steht auch ihr Ruf auf dem Spiel - SA war zwar letztes Jahr das meistverkaufte Konsolenspiel, musste allerdings auch viel Kritik für seine mitunter gewalttätigen Szenen einstecken.

ESRB-Chefin Patricia Vance rief die Industrie zu einem aktiven Schutz der Spiele vor unrechtmäßigen Modifikationen von Seiten Dritter aus, vor allem wenn diese "dazu dienen, die Einstufung des Spiels zu unterminieren".

Die Nutzungsbedingungen der meisten Spiele würden Modifikationen durch den Nutzer untersagen, man müsse sich fragen, warum die Firmen das nicht durchsetzen, so Vance.

Ein möglicher Schuss nach hinten

Sollte die Industrie wirklich verstärkt gegen Modder vorgehen, könnte der Schuss auch nach hinten losgehen - vorausgesetzt so ein Vorhaben lässt sich wirklich umsetzen. Die meisten Modder basteln aus Spaß und ohne kommerzielle Absichten an ihren Lieblingsspielen, wirklich profitieren tun ohnedies meist die Spielehersteller.

Bestes Beispiel ist wohl Counter-Strike, eine Modifikation des Spiels "Half-Life", das sich so starker Beliebtheit erfreut[e], dass selbst Half-Life-Hersteller Valve die Modifikation zum Verkauf anbot. Auch "Die Sims" lebt zu einem nicht unbeachtlichen Teil von den selbst gebastelten Gegenständen der umtriebigen Community.

Sollten wirklich technische Maßnahmen gegen solche Modifikationen in Spielen Einzug halten, dann könnten zukünftige Mods laut EFF-Anwalt Fred Lohman gegen das US-Copyright DMCA verstoßen.

Die Modder zu verklagen treffe in diesem Fall außerdem nicht den Kern der Sache, so Lohmann, schließlich hätten die Entwickler den betreffenden Code im Spiel gelassen.