Harter Wettstreit der Game-Entwickler
Zwar hat die Industrie für die kommenden Jahre glänzende Aussichten, doch noch scheint nicht ganz klar zu sein, wie diese auch verwirklicht werden können. Die Spieleentwicklung wird zunehmend teurer und der Wettbewerb härter: Immer öfter hängt der Erfolg eines Herstellers von einem einzigen Spiel ab.
Auf der Fachmesse E3 im Mai rief der Chef der US-Industrievereinigung Entertainment Software Association, Doug Lowenstein, die Game-Hersteller zu einer Verbreiterung des Spieleangebots auf, um den Massenmarkt mehr zu bedienen.
Branchen-Primus Electronic Arts [EA] etwa setzt dazu auf die Umsetzung bereits erfolgreicher Filmideen als Videospiel, die auch ältere Semester ansprechen sollen. Doch nun musste EA die Veröffentlichung seines Spiel "The Godfather" ["Der Pate"] um ein halbes Jahr auf Anfang 2006 verschieben.
Der Aktienkurs reagierte umgehend: Die Aktie fiel am Freitag um 4,74 Prozent auf 57,46 Dollar.
EA-AktienkursEA setzt auf mehr Qualität
Das als Umsatzbringer geplante Spiel wird nun laut Hersteller bis 31. März für Sonys PlayStation 2 und Microsofts Xbox erscheinen. Beim Release-Datum für die nächste Xbox-Generation [360] wollte sich EA noch nicht festlegen.
Michael Perry, Chef des Game Designs, zeigte sich zufrieden, dass sein Team vom EA-Management mehr Zeit für das Spiel bekommen hat, berichtet "Marketwatch". Die Herausforderungen des Spiels seien einzigartig, so Perry.
In dem Spiel soll die individuelle Interaktion des Spielers und seiner Spielfigur mit den nicht spielbaren Game-Akteuren [Nonplayable Characters - NPC] andere Charaktere beeinflussen. Jede dieser NPCs soll ein autonomes Set an Verhaltensweisen mit sich bringen, je nach Verhalten des Spielers kann er verschiedene Abläufe des Spiels erleben.
Analysten begrüßen zwar das Bekenntnis zu mehr Qualität, sehen aber durchaus auch finanzielle Einbußen für EA - und mehr. Eine Analystin der Smith Barney Citigroup meinte etwa, dass die finanzielle Auswirkung möglicherweise klein sein könnte, doch die "Moral könnte verletzt sein".
Spieleindustrie auf Sinn- und KundensucheChance für die Konkurrenz
Zwar scheint die Release-Verschiebung eines einzigen Spiels angesichts des gesamten Portfolios von EA vergleichsweise lächerlich, doch auch EA steht unter Druck. Bei den First-Person-Rollenspielen wurde EA zuletzt von Take Two und dem Erfolg der GTA-Serie mehr als in die Schranken verwiesen.
J.P.-Morgan-Analyst Dean Gianoukos sieht in der Verschiebung daher auch eine Chance für andere Hersteller wie Activision, dessen First-Person-Shooter "Gun" und "True Crime" vor Weihnachten auf den Markt kommen sollen, oder Take Twos "The Warriors" [ebenfalls eine Filmadaptierung].
Das Beispiel Eidos zeigt, wie wichtig der Verkaufserfolg einzelner Spiele für den Gesamterfolg eines Herstellers ist.
Gamestudio SCi übernimmt EidosMehr Risiko für die Großen
Gravierender könnte allerdings das auf unbestimmte Zeit verschobene Release-Datum des EA-Spiels für die nächste Konsolengeneration sein. Analysten erwarten, dass in Zukunft noch mehr Spieletitel verschoben werden könnten.
Während sich die kleinen Studios mit Spielen für die derzeit aktuelle Konsolengeneration noch eine Weile über Wasser halten könnten, ist vor allem für die großen Studios ein Erfolg auf der nächsten Generation umso wichtiger.
Der finanzielle Aufwand ist um einiges größer, damit auch das Risiko und die Möglichkeit des Scheiterns.
Werbung in Spielen als Rückfinanzierung
