10.07.2005

LINUX

Die Apotheose von St. Debian

Die Münchner Stadtregierung hat sich dafür entschieden und auch das Wiener Magistrat setzt Debian Linux in Zukunft ein - wer noch vor wenigen Jahren prophezeit hätte, dass ausgerechnet diese Variante des freien Betriebssystems 2005 Schlagzeilen machen würde, den hätte man als hoffnungslosen Ideologen abgetan.

Fakt ist, dass jene Linux Distribution, die angeblich nur zum Einsatz auf dem Server taugt und nur von Artisten der Kommandozeile aufgesetzt und administriert werden kann, 2005 den spektakulärsten Auftritt aller Distributionen auf den User-Desktops rund um die Welt geliefert hat.

Die "Ubuntu"genannte Zusammenstellung der südafrikansichen Firma Canonical [= kanonisch, dem Kanon entsprechend] basiert auf Debian-Linux und ist so einfach zu installieren, dass es auch Tante Jutta schafft. Von der CD aus wird automatisch nur das Nötigste installiert - verkürzt gesagt -, um Kontakt mit einem Server herzustellen.

Knackpunkt Hardware-Erkennung

Anders als bei Komplett-Distributionen auf DVD [Novell/Suse, RedHat et al.] stehen auf den Servern des Debian-Projekts die allerneuesten Hardware-Treiber bereits während der Installation zur Verfügung, das macht einen gewaltigen Unterschied. Sie werden bei Debian/Unbuntu noch vor der grafischen Oberfläche von ferne installiert, wenn sie auf der CD nicht ohnehin vorhanden waren.

Die allermeisten Linux-Installationen durch Nicht-Geübte scheitern nämlich genau an diesem Punkt: bei der Installation wird ein essentieller Hardware-Teil wie etwa die Grafikkarte, nicht erkannt. Die notwendige Nachinstallation überfordert auch etwas fortgeschrittene Normal-Benutzer, die aus der Windows-Welt kommen und mit Dateisystem und Installationsroutinen von Linux zu wenig Erfahrung haben.

Zehn Millionen Dollar gestiftet

Auch das Vertriebskonzept der Südafrikaner unterscheidet sich von den großen Distributoren. Anders als Novell/SuSe, die aufwendige Pakete mit gedruckten Handbüchern, DVD und einem halben Dutzend CDs schnüren, ist ein Verkauf der Software dezidiert nicht Teil des Geschäftsmodells der Südafrikaner.

Anfang Juli gab Canonical drei Jahre garantierte Entwicklung für Ubuntu auf dem Desktop und fünf Jahre auf dem Server bekannt. Zu diesem Behufe hatte der südafrikanische Dot.com-Millionär und Ubuntu-Initiator Mark Shuttleworth zehn Millionen US-Dollar in eine Stiftung eingebracht.

Und auch das unterscheidet die Debian/Ubuntu von anderen Linux-Flavours: Ein Unterschied zwischen kommerzieller und privater Anwendung wird nicht gemacht. Das Geschäftsfeld von Canonical ist ausschließlich technischer Support, der weltweit online gegeben wird. Die Preise dafür bewegen sich am untersten Rand dessen, was für technische Unterstützung im Linux-Bereich gemeinhin verlangt wird.