03.07.2005

05 06 26 - 07 02

Die Wochenschau, ohne Meinungsbildung

Seit 1. Juli ist die österreichische Medienlandschaft um einen bedeutsamen Teil reicher geworden: Seitdem gilt das Mediengesetz auch für "periodische elektronische Medien", ergo private Websites, Weblogs oder Newsletter.

Damit ward ein ganzes Volk von [potentiellen] Medieninhabern über Nacht geboren, die nur darauf warten mit Links zu Kochrezepten, Bildern von Haustieren und Nachwuchs oder ihrem Seelenstriptease die "öffentliche Meinung" rechtmäßig beeinflussen zu dürfen.

Wer sich bisher schon als Medium verstanden hat, der möge bitte, sollte er es bisher verabsäumt haben, der verordneten Offenbarungspflicht nachkommen und Namen und Wohnort an passender Stelle ["ständig leicht und unmittelbar auffindbar"] eintragen.

Meinungsbildend, oder nicht

Menschen mit selbstzweiflerischen Qualitäten dürften aber ein großes Problem haben, denn sie stehen vor bedeutsamen Fragen: Bin ich meinungsbildend? Habe ich überhaupt eine Meinung?

Liest mich denn irgendjemand in dieser großen weiten WWW-Welt? Lauert hinter dem nächsten IP-Knoten die Polizei oder ein Abmahn-Anwalt, der es auf mich abgesehen hat? Muss eine Blattlinie gerade sein, oder darf sie auch in Schlangenlinien verlaufen?

Fragen, auf die auch eine Tante keine Antworten parat hat. Sicherheitsfanatiker können dem Trend folgen und ihre Website oder ihr Weblog für Außenstehende schließen.

Wahre Gallier warten aber, bis ihnen der Himmel auf den Kopf fällt.