Microsoft geht einen Schritt auf Linux zu
Nachdem das freie Betriebssystem Linux nicht aufzuhalten ist, reicht Microsoft den Entwicklern der anderen Seite nun doch die Hand.
Bei einer Konferenz der Association for Competitive Technology in Cambridge rief MS-Chef-Anwalt Brad Smith zu einem Brückenschlag zwischen den beiden Welten und der Konkurrenz auf, berichtet Eweek. In der Welt der Software-Entwicklung gebe es eine breite Palette an Modellen, so Smith.
Smith ist kein Einzelkämpfer, auch MS-Chef Steve Ballmer hatte kürzlich mit der Bemerkung aufhorchen lassen, dass Microsoft in Zukunft auch Linux-Rechner in hybriden Systemen unterstützen wird.
Es schmerze ihn zwar, doch er wisse, dass das für die Kunden wichtig sei, so Ballmer. Diese hätten besseren Support für Nicht-Windows-Rechner in MS-Software verlangt.
Zwar ist diese Funktionalität bereits jetzt unter gewissen Umständen gegeben, doch Microsoft will mit dem nächsten Update für Virtual Server mehr Unterstützung für Linux-basierte virtuelle Systeme liefern. Auch der Operations Manager wird ausgebaut.
Novells Desktop-GroßoffensiveUmschwenken der Strategie
Bei der Ankündigung Ballmers wurde dazu ein Red Hat Enterprise Linux auf einem Virtual Server von MS genauso vorgeführt wie ein Microsoft Operations Manager, der Solaris-Server regelte.
Ungewöhnlich daran ist die öffentliche Demonstration. Damit wird deutlich, dass Microsoft sich nicht nur dem Wunsch der Kunden, sondern auch dem spürbaren Druck des Marktes beugt.
Lange Zeit hat der weltgrößte Software-Hersteller versucht, mit [teils bezahlten] Studien gegen den Konkurrenten Linux anzukämpfen. Diese versuchten zu beweisen, dass das freie Betriebssystem in der Erhaltung kostenintensiver ist als Microsoft-Produkte.
Auch Ballmer selbst legte sich mit Inbrunst für seine Sache ins Zeug - allein, es half nicht viel. Ganze Staaten setzen bzw. überlegen mittlerweile den Einsatz von Linux anstelle von Microsoft-Systemen in ihren Verwaltungen.
Die Firmen haben längst von beiden Welten Besitz ergriffen. Laut einer unabhängigen Studie der Yankee Group halten 88 Prozent der befragten US-Unternehmen Windows Server 2003 in Sachen Qualität, Performance und Verlässlichkeit für mindestens genauso gut oder besser als Linux.
Windows und Linux bei Servern gleichaufPatente bleiben Hauptgeschäft
Die nun erfolgte öffentliche Annäherung bedeutet allerdings nicht, dass Microsoft jetzt auf einen Kuschelkurs umschwenkt oder alle seine Patente frei lizenziert.
Es gehe nicht darum, den Weg zu ändern wie Software entwickelt werde, sondern um mehr Zusammenarbeit, so Smith gegenüber Eweek. Es gebe mehr Gemeinsamkeiten als angenommen werde.
Smith rief gleichzeitig zu einer Patentreform in den USA auf. Jeder erfolgreiche Erfinder stütze sich auf Patente und sei damit Ziel von Patentklagen anderer. Jeder solle seinen gerechten Teil zahlen und die Regeln befolgen, so Smith.
Inwieweit sich ein echter Dialog entspinnen kann, wird sich zeigen. Während die Entwickler von freier Software auf freie Lizenzen und Patente setzen, sind Patente ein Teil von Microsofts Geschäftsmodell - und der Hersteller ist nicht gerade bekannt dafür, damit besonders großzügig umzugehen,
Zudem hält sich der Konzern bei den eigenen Produkten auch nicht immer an standesgemäße Regeln wie jene des W3C oder der IETF.
Das deutsche Web ist standardlos
