Das Geschäft mit der Überwachung
Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung überwacht die US-Regierung seit den Anschlägen vom 11. September 2001 vermehrt Zivilisten.
Die Überwachungsmaßnahmen haben stark zugenommen, die Budgets des Ministeriums für Heimatschutz und seiner lokalen Gegenstücke werden stetig erhöht.
Davon profitieren vor allem die Hersteller von Überwachungsausrüstung wie etwa Kameras und Nachtsichtsystemen. Von zwei Milliarden Dollar jährlich vor 9/11 sind die Umsätze mit Überwachungskameras auf mittlerweile fast sechs Milliarden Dollar angestiegen.
Und Analysten sagen dem Big-Brother-Geschäft weiterhin ein jährliches Wachstum von 25 Prozent voraus.
Alles neu bei der Homeland Security
Drei Jahre nach seiner Gründung ist das US-Ministerium für
Heimatschutz [Department of Homeland Security] im Umbruch.
Mindestens zwölf hochrangige Beamte werden den größten
Datenbankverbund der Welt verlassen oder sind bereits weg, der neue
Minister Michael Chertoff steht nach hundert Tagen im Amt vor der
Aufgabe, die drängendsten Probleme zu lösen.
Umbruch im HeimatschutzsystemSteigende Akzeptanz bei Bürgern
Datenschützer warnen immer wieder vor der mangelnden Effektivität der Videoüberwachung im öffentlichen Raum, doch mit der "Angst vor Kriminalität und Terror" steigt die Akzeptanz durch die US-Bürger.
Eine im Oktober durchgeführte Studie des Sicherheitsdienstleisters Tyco International kam zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent der US-Bürger den Einsatz von Überwachungskameras in Flughäfen, Geschäften und Regierungsgebäuden nicht nur akzeptieren, sondern gar begrüßen.
Wenn es nach der Regierung geht, werden künftig noch wesentlich mehr Plätze überwacht.
US-Präsident George Bush will das Budget des Ministeriums für Heimatschutz im Finanzjahr 2006 auf 34,2 Mrd. Dollar erhöhen. 2005 waren es noch 31,9 Mrd. Dollar, im Vorjahr 29,9 Milliarden.
Studie stellt Nutzen in Frage
Ob die kostspielige Videoüberwachung hält, was sie verspricht,
ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Eine aktuelle Studie im
Auftrag des britischen Innenministeriums kam zu dem Ergebnis, dass
die Kameradichte auf die Zahl der kriminellen Delikte wie etwa
Gewaltverbrechen keinen Einfluss hat.
Überwachung dämmt Kriminalität nicht einAktien der Abhörer im Aufwind
Die gut positionierten Hersteller von Überwachungssystemen bekommen durch den Big-Brother-Boom auch an der Technologiebörse Nasdaq Aufwind.
Die Aktien von Nice Systems, einem israelischen Hersteller von Überwachungskameras, die Personen von Objekten unterscheiden und deren Wege zurückverfolgen können, haben sich in den vergangenen fünf Monaten im Wert verdoppelt.
Der Nettoverdienst des Nachtsichtkamera-Herstellers Flir Systems ist 2004 um mehr als 60 Prozent gestiegen. Verint Systems, spezialisiert auf Abhör-Software, verbucht seit 13 Quartalen steigende Umsätze und Gewinne.
Und weil das Geschäft laut Analysten weiter boomen wird, werden diese Unternehmen immer interessantere Übernahmeziele. Potenzielle Käufer wären etwa Honeywell, Lockheed Martin und General Electric.
