Kopierschutz-Debatte neu entbrannt
Seit nunmehr einigen Jahren werden Musik-CDs mit Kopierschutz-Technologie ausgestattet. Am Fall Heise.de vs. IFPI.de ist nun die Diskussion über das Für und Wider neu entfacht.
Einerseits machen die kopiergeschützten CDs immer wieder mit Abspielproblemen von sich reden.
Zudem bemängeln Konsumenten und -schützer, dass man richtiggehend ins Kriminal gedrängt werde, wenn man versuche, von legal erworbenen, kopiergeschützten CDs eine Privatkopie zu erstellen.
Denn mit der Urheberrechtsnovelle 2003 wurde das Recht auf eine Privatkopie zwar bestärkt, doch gleichzeitig das Überwinden von Kopierschutzmaßnahmen verboten. Ein Absurdum, das auch mit der Evaluierung des Urheberrechts nicht beseitigt wurde.
Privatkopie: Dürfen Ja, können Nein
Nur der langsame Weg des Kopierens mit einfacher Geschwindigkeit
über die [digitalen] Aus- und Eingänge - CD wird dabei abgespielt
und wie anno dazumal bei Radioaufnahmen mit dem Tonband gleichzeitig
wieder aufgezeichnet - ist zur Erstellung der Privatkopie ganz
sicher erlaubt.
Details zum österreichischen UrheberrechtForderung: Straffreiheit bei privatem Gebrauch
Da mit heutigen Mitteln das Kopieren aber auch blitzschnell erledigt werden kann, sehen viele diesen langsamen Kopierweg als Zumutung an.
Konsumentenschützer verlangen daher Straffreiheit für Konsumenten, die eine Kopierschutztechnik umgehen, um ausschließlich Kopien für den privaten Gebrauch herzustellen.
Es seien zudem Regeln für die Hersteller nötig, damit für die Konsumenten eine übliche Anzahl privater Kopien trotz Kopierschutztechniken möglich bleibe.
Ansätze dafür gibt es: Manche Kopierschutztechniken [vor allem in den USA im Einsatz] erlauben das limitierte Kopieren zum persönlichen Gebrauch. In Europa verhindert der Kopierschutz in der Regel das Rippen auf den PC.
Der Fall Heise vs. IFPI.de
Der Verkauf, Einsatz und die Bewerbung von Kopiersoftware ist in
Österreich verboten. Besitz und Kauf sind hingegen nicht strafbar.
Die deutsche Musikindustrie hat nun Heise.de abgemahnt, da nach
ihrer Sicht ein Heise-Artikel über das Produkt AnyDVD als Werbung
für Kopierschutz-Knacktools anzusehen sei.
Musikindustrie rüttelt an PressefreiheitÄrgernis für zahlende Kunden
Doch nicht nur die Erstellung einer Privatkopie wurde mit dem neuen Urheberrecht und der Ausbreitung von Digital-Rights-Maßnahmen eingeschränkt, oft verärgern die Kopierschutz-CDs durch simple Abspielprobleme die zahlenden Kunden.
Bei verschiedenen Wiedergabegeräten wie Autoradios, DVD-Playern und CD/DVD-Brennern kann es bekanntermaßen zu Kompatibilitätsschwierigkeiten kommen.
Entsprechende Warnhinweise auf den CD-Hüllen gibt es zwar, diese sind jedoch oft uneinheitlich, missverständlich oder gar unleserlich angebracht.
Geld zurück nur unter Argwohn
Ist eine Scheibe im eigenen CD-Player nicht abzuspielen, kann der
Verbraucher beim Händler zwar die Gewährleistung einfordern, doch
auch das geschieht oft nur nach Diskussionen. Häufig werde laut VKI
unterstellt, der Kunde hätte davon schon eine Kopie angefertigt.
Kopierschutz-CDs als "Kunden-Schikane"
AK-Test: Abspielprobleme bei Kopierschutz-CDsErstes Umdenken
Einige Labels wie Universal Deutschland und Sony Japan haben ihr Kopierschutz-Engagement bereits zurückgeschraubt und bieten zumindest Teile ihres Musikrepertoires wieder ungeschützt an.
Als Gründe wurden einerseits Kundenbeschwerden, andererseits die Verschärfung der Gesetze und das gesteigerte Urheberrechtsbewusstsein der Musikkonsumenten genannt, die einen Kopierschutz nicht länger nötig machen.
Auch die Absatzprobleme konnten mit der unpopulären Maßnahme nicht gelöst werden.
Ob sich dieses Umdenken mit der Zeit in der Branche durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Bisher blieb es bei diesen Einzelfällen.
