26.01.2005

PLEITIERS

Großer Auftakt zum WorldCom-Prozess

Im Prozess um den größten Bilanzbetrug in der amerikanischen Geschichte sind in New York die Eröffnungssalven gefeuert worden.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den ehemaligen WorldCom-Chef Bernard Ebbers [63] am Dienstag vor Gericht als Lügner, der Mitarbeiter zum Betrug anstiftete und Investoren betrog. Der Verteidiger zeichnete dagegen das Bild eines unschuldigen Finanzlaien, der von seinem engsten Mitarbeiter hintergangen wurde.

Ebbers, Ex-Chef des einst zweitgrößten US-Telekomkonzerns, ist wegen Betrugs, Verschwörung und Falschaussage angeklagt. Ihm drohen 85 Jahre Haft. Der Prozess soll sechs bis acht Wochen dauern.

Ebbers ließ bei den Eröffnungsplädoyers nach US-Medienberichten wenig Gefühlsregungen erkennen.

Verteidigung redet sich auf Finanzchef aus

Staatsanwalt David Anders warf Ebbers ab Oktober 2000 "Lügen über Lügen" über die Finanzlage des Unternehmens vor. "Ebbers wusste, dass WorldComs Bücher frisiert waren. Er wusste es, weil er das angeordnet hatte", sagte Anders nach Medienberichten. Ebbers habe den Aktienpreis stützen und seinen eigenen Reichtum schützen wollen.

Verteidiger Reid Weingarten sagte dagegen, Ebbers könne nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, von dem er nichts gewusst habe. Sein Mandant sei ein Mann aus einfachen Verhältnissen, der von seinem Finanzchef Scott Sullivan hintergangen worden sei.

Sullivan ist der Kronzeuge der Anklage. Er hat den Betrug zugegeben und will gegen Ebbers aussagen. Wann er in den Zeugenstand tritt, war am Dienstag noch nicht abzusehen.

Die Staatsanwaltschaft will auch den ehemaligen Finanzkontrolleur des Unternehmens, David Myers, aufrufen. Er hatte nach einem Bericht der Agentur Bloomberg bei Vernehmungen angegeben, das "oberste Management" habe ihn regelmäßig aufgefordert, die Bücher zu frisieren.