Lauschangriff auf UNO-Sitz in Genf
Nach dem Abhörskandal im UNO-Hauptquartier in New York zu Beginn des Jahres ist auch am Genfer Sitz der Vereinten Nationen ein ausgeklügeltes Abhörsystem gefunden worden.
Die Anlage sei Anfang November bei einer Renovierung des "Französischen Salons" entdeckt worden, sagte eine UN-Sprecherin am Freitag. Der Raum sei auch von ranghohen Politikern genutzt worden, darunter Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac.
Die gut getarnte und sehr leistungsstarke Lauschanlage bestehe aus russischen oder osteuropäischen Komponenten und sei drei bis vier Jahre alt, so ein Experte. Trotz einer UN-Ermittlung war zunächst unklar, wer die Anlage installiert hat.
Es sei das erste Mal, dass die UNO den Fund von Wanzen in ihren Räumen bestätige, so ein UNO-Mitarbeiter. Es sei die erste je in Genf entdeckte Abhöranlage. Es sei aber möglich, dass noch weitere gefunden würden.
Zaghafte Reaktion auf "UNO-Gate"Breit genutzter Raum
Wie die UNO-Sprecherin der Schweizer Nachrichtenagentur SDA sagte, trafen sich in dem Raum im Januar Frankreichs Präsident Jacques Chirac und sein brasilianischer Kollege Luiz Inacio Lula da Silva.
Im September 2003 nutzte eine Delegation den Salon während eines Spitzentreffens der Außenminister der USA, Russlands, Chinas, Großbritanniens und Frankreichs zur Lage im Irak. Das eigentliche Treffen fand im Nachbarraum statt. UNO-Vertreter sagten dem TV-Sender TSR, der Raum werde auch für Videokonferenzen mit dem UN-Hauptquartier in New York genutzt.
Der Raum werde von allen Ländern gern für bilaterale Treffen genutzt, weil er einer der schönsten im Völkerbundpalast, dem UNO-Gebäude in Genf, sei, so ein französischer Diplomat.
