Die IT-Woche im Überblick

02.02.2008

Startschuss für den europäischen Zahlungsraum SEPA, der zweite internationale Datenschutztag, ein wichtiges EuGH-Urteil zur Privatsphäre im Netz und ein überraschendes Kaufangebot von Microsoft an Yahoo - das war die IT-Woche von 28. Jänner bis 2. Februar.

Die Woche begann mit dem Startschuss für den europäischen Zahlungsraum SEPA [Single Euro Payments Area].

Von der Vereinheitlichung des europäischen Zahlungssystems verspricht man sich eine schnellere und kostengünstigere Abwicklung von Überweisungen innerhalb Europas. So sollen Buchungen quer durch Europa bis 2012 spätestens am Ende des nächsten Werktages auf dem Empfängerkonto sein, derzeit darf das noch zwei Tage länger dauern.

Die österreichischen Banken zeigen sich mit dem Stand der Vorbereitungen zufrieden, Begeisterung will in der Branche jedoch nicht aufkommen.

"Das Projekt SEPA ist ein wichtiger Teil des EU-Binnenmarkts. Und von dem hat Österreich vom Beitritt angefangen bis jetzt zur Osterweiterung immer nur profitiert", sagte Gerald Friedl, Sprecher des Finanzministeriums, zum SEPA-Start.

Der zweite Datenschutztag

Am Montag beging die EU auch den zweiten Datenschutztag. Anlässlich einer Veranstaltung im Bundeskanzleramt haben leitende Vertreter der Regierungskoalition die umstrittene Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes [SPG] verteidigt.

"Ich möchte schon darauf hinweisen, dass diese Ausgestaltung des Sicherheitspolizeigesetzes in der Begutachtung von meinem Ministerium abgelehnt worden ist. Man fand daraufhin andere Wege, das Gesetz doch so zu gestalten", wie es dann letztlich herausgekommen sei, sagte Justizministerin Maria Berger [SPÖ] am Montag zum Thema.

Peter Pilz, Sicherheitssprecher der Grünen, sprach sich dafür aus, den Datenschutzrat aufzulösen.

Harald Wögerbauer [ÖVP], Vorsitzender des Datenschutzrates, Waltraud Kotschy, geschäftsführendes Mitglied der Datenschutzkommission, und Prof. Dietmar Jahnel, Universität Salzburg, diskutierten über aktuelle Fragen des Datenschutzes.

EuGH entscheidet über Datenherausgabe

Am Dienstag fiel schließlich das Urteil im Fall Promusicae gegen Telefonica. Der Europäische Gerichtshof entschied, dass EU-Mitgliedsländer ihre Gesetze so gestalten dürfen, dass Provider bei Zivilklagen die persönlichen Daten von Filesharern nicht herauszugeben brauchen.

Er ist damit der Rechtsmeinung von EU-Generalanwältin Juliane Kokott gefolgt, die im Juli 2007 in ihrer Stellungnahme zu dem Fall geschrieben hatte, dass Internet-Provider keine Daten über Kunden, die Tauschbörsen nutzen, an die Inhaber oder Vertreter von Urheberrechten aushändigen müssten.

In einer ersten Reaktion auf das Urteil sah auch die österreichische IFPI ihre Position gestärkt. Die Mitgliedsländer dürften sehr wohl die Herausgabe von Nutzerdaten im Rahmen zivlirechtlicher Prozesse festschreiben.

Internet-Rechtsexperte Franz Schmidbauer mahnte richterliche Kontrollen und eine Grenze für Bagatelldelikte im österreichischen Urheberrechtsgesetz an.

Google enttäuscht die Börse

Am Donnerstag gab der Internet-Konzern Google seine Zahlen für das vierte Quartal 2007 bekannt.

Obwohl das Unternehmen seinen Gewinn um 17 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal steigern konnte, hatten die Investoren mehr erwartet und ließen in einer ersten Reaktion die Aktie des Konzerns nachbörslich um 9,5 Prozent auf knapp 523 US-Dollar absacken.

Googles Gewinn im vierten Quartal 2007 kann sich trotzdem sehen lassen, er liegt bei 1,21 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz stieg von 3,21 Mrd. [Q4 2006] auf 4,83 Mrd. US-Dollar.

Microsoft bietet 45 Mrd. Dollar für Yahoo

Am Freitag schließlich überraschte Microsoft die gesamte Branche mit einem Kaufangebot an Yahoo: Microsoft will sich das Unternehmen für etwa 44,6 Milliarden Dollar einverleiben und bot 31 Dollar je Aktie - also um rund 62 Prozent über dem Yahoo-Schlusskurs vom Donnerstag.

Yahoo werde das Übernahmeangebot von Microsoft prüfen. Das Angebot sei "nicht erwünscht", die Führung von Yahoo werde es aber "sorgfältig und rasch" prüfen, erklärte das Unternehmen am Freitag in einer ersten Reaktion.

Mit der Milliardenübernahme wolle Microsoft den Internet-Marktführer Google angreifen und seine Internet-Sparte endlich profitabel machen, sagte Firmenchef Steve Ballmer.

Ballmers erklärtes Ziel ist es, Microsoft auf dem boomenden Online-Werbemarkt stärker aufzustellen, der auch von Google dominiert wird. Mit Zukäufen von Online-Werbefirmen hatten sich sowohl Microsoft als auch Google in der jüngsten Vergangenheit verstärkt.

Da Google selbst nach einem Yahoo-Kauf durch Microsoft Marktführer bleibt, steht einer Übernahme wettbewerbsrechtlich nichts im Weg.