14.10.2004

BANDBREITE

Das Scheitern des vernetzten Irak-Kriegs

Der letzte Krieg im Irak sollte für die US-Streitkräfte aufgrund neuer Technologien nicht nur zu einem vernetzten Krieg werden, sondern dadurch auch weniger gefährlich.

Durch neue Informationssammelstellen, der totalen Vernetzung der Streitkräfte und dem ständigen Datenaustausch untereinander sollten die Soldaten und ihre Befehlsgeber leichter Ziele und Gefahren erkennen und entsprechend reagieren können.

Doch laut einem Bericht des Forschungsinstituts Rand für das Pentagon, berichtet "Technology Review", hat, zumindest im Irak, die Technologie noch nicht den erhofften Nutzen gebracht. So konnte oftmals die benötigte Bandbreite für den Datenausfluss nicht im ausreichenden Maß bereitgestellt werden, andernorts kam soviel Information auf einmal zusammen, dass das Aussortieren und Bewerten fast unmöglich wurde.

Zwischen alt und neu

Zumindest im Irak-Krieg scheiterte die neue Doktrin des "Vernetzten Kriegs" an manchen Stellen. So sollten bei der Land-Invasion von Kuwait aus 10.000 Fahrzeuge und 300.000 Mann die 500 Kilometer Richtung Bagdad ziehen.

Die enorme Menge an Daten, die zwischen den Entscheidungsträgern und den Feldtruppen ausgetauscht werden sollte, wurde dabei über ein auf Mikrowelle basierendes Kommunikationssystem übertragen.

Manche der dafür notwendigen Antennen mussten aber stationär betrieben werden und für die Weitergabe der Informationen musste zudem Sichtkontakt zwischen den einzelnen Stationen bestehen.

In der Realität war dies natürlich kaum exerzierbar, da die Konvois sich zu schnell bewegten und meist zu weit voneinander entfernt waren. Manche US-Militärfahrzeuge wurden genau in der Phase angegriffen, als sie bei einem Stopp versuchten, neue Daten über feindliche Positionen zu erhalten.

Horizontal statt von oben herab

Die Kommandeure in Katar und Kuwait hatten unterdessen mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Sie erhielten so viele Daten, dass sie nicht alle gleichzeitig verarbeiten konnten - manchmal mussten sie die neuen Feeds stoppen.

Bei der Weiterleitung der Infos an die Bodentruppen stolperten sie ihrerseits wiederum über das teilweise außer Funktion stehende Mikrowellensystem. So blieb manchmal nur mehr die Kommunikation über E-Mail über.

Die Verteidiger des Systems meinen, dass die Probleme nicht technologischer Natur waren, sondern an der Doktrin haperten. So sei das Vernetzen im Irak noch nicht vollständig gewesen, da es noch auf althergebrachten Kommando- und Kontrollsystemen basierte.

Die Kommandeure erhielten die notwendigen Infos und interpretierten sie, dann gaben sie die Kommandos sowie relevante Daten an die nächsten Glieder der Befehlskette weiter - dadurch seien Zeitverzögerungen entstanden und auch die Kommunikationsfehler hätten sich gehäuft. Für den vernetzten Krieg sei eine horizontale Entscheidung- und Informationsweiterleitungsebene besser, meinen sie.