Potenziell fatale Bandbreitenprobleme
Die US-Militärs führen derzeit den ersten Krieg nach ihrer neuen Militärdoktrin des "Network Centric Warfare". Diese umfasst einerseits die Idee, dass die eigenen Kombattanten jederzeit alle "gefechtsrelevanten" Informationen zur Verfügung gestellt bekommen, andererseits eine Automatisierung der "schmutzigen Jobs", wie ein Rüstungsmanager das Töten von Feinden beschrieben hat.
Der vermeintlich perfekt organisierte "vernetzte Krieg" ist allerdings nicht nur nicht "sauber", er beschert dem Pentagon laut Branchen-Kreisen auch ein potenzielles Bandbreitenproblem: Seit vergangenem Jahr kaufen die Militärs alle verfügbaren kommerziellen Satellitenkapazitäten auf, wobei sie in letzter Zeit auch mit den internationalen Medien konkurrieren.
Schon während des Afghanistan-Feldzuges mussten sich einzelne Einheiten auf dem Feld um die knappen Kapazitäten streiten, beispielsweise um Satelliten-Uplinks und den Video-Stream von den Überwachungsdrohnen.
Insbesondere Drohnen wie der inzwischen auch bewaffnet einsetzbare "Predator" brauchen besonders viel Satellitenkapazität.
Der "Network Centric Warfare" repräsentiert auch die Asymmetrie des Irak-Krieges: Während das Risiko für die einzelnen US-Soldaten weiter abnimmt, sind die irakischen Soldaten und erst recht die Zivilbevölkerung den Angriffen weitgehend schutzlos ausgeliefert.
Der vernetzte KriegUnverschlüsselte Spionagebilder
Wie knapp die Verbindungsressourcen der US-Militärs angesichts der selbst entfachten Kommunikationsflut sind, wurde im letzten Sommer klar, als bekannt wurde, dass NATO-Bilder von Aufklärungsflügen über dem Balkan unverschlüsselt über Satellit gefunkt wurden.
Die Spionagefotos waren seit dem 11. November 2001 frei zu empfangen und damit seit dem Beginn des Afghanistan-Feldzuges.
Demnach erklärte sich die ungewöhnliche NATO-Offenheit einfach damit, dass es nicht genug Kapazitäten für die verschlüsselte Satelliten-Kommunikation gab und die Bilder vom Balkan einfach nicht die höchste Priorität besaßen.
NATO-Spionagebilder frei empfangbarKonkurrenz durch die Medien
Aber nicht nur die Kriegsführung, sondern auch die Berichterstattung über den Irak-Krieg wird mit Hilfe satellitengestützter Kommunikationstechniken betrieben, wodurch die TV-Anstalten zu Konkurrenten des US-Militärs auf dem Satellitenmarkt werden.
Die Videos werden mit den neuesten leichtgewichtigen DV- [Digital Video] und Mini-DV-Geräten mit extragroßen Zoomweiten und Nachtsichtfähigkeit gedreht. Auf den Notebooks werden die Filmchen dann sofort geschnitten und über eine Satellitenverbindung zum Nachrichtensender geschickt.
Der Krieg live im WohnzimmerVerhängnisvolle Abhängigkeit
In letzter Zeit haben gleich eine ganze Reihe von Satellitenfirmen Verträge mit dem Pentagon geschlossen, darunter Space Imaging, Eutelsat und Intelsat. Ob diese zugekauften Kapazitäten im Ernstfall ausreichen, wird sich allerdings noch herausstellen.
Das potenzielle Bandbreitenproblem des Pentagon kann dabei durchaus fatale Folgen für die irakische Zivilbevölkerung und für die US-Truppen selbst haben:
Da sich die US-Militärs in die weitgehende Abhängigkeit ihrer neuen Technologien begeben haben, können die vermeintlich "smarten" Bomben im Falle von Kommunikationsproblemen fehlgeleitet werden und so zivile Opfer oder die eigenen Truppen [im Militärjargon "friendly fire"] treffen.
Satelliteneinsatz wird verstärkt
