10.10.2004

BAUCHLADEN

Iranischer Musik-Schwarzmarkt boomt

Im Iran, wo westliche Popmusik verboten und sogar einige inländische Bands nicht erlaubt sind, boomt der Handel mit Raubkopien.

Offiziell ist der Iran eine Pop- freie Zone. Jährlich fängt der iranische Zoll hunderte westlicher Musik-CDs in Brief- und Paketsendungen ab und zerstört sie. Nur Queen darf als einzige westliche Rockband seit einigen Wochen legal gehört werden - wahrscheinlich, weil Sänger Freddie Mercury persischer Abstammung war.

Anders als im offiziellen Handel sind auf dem Schwarzmarkt jedoch die meisten europäischen oder amerikanischen Hits zu kaufen. Der Handel mit Raubkopien ist ein höchst lukratives Geschäft. Ein Händler kann täglich zwischen achtzig und hundert CDs verkaufen - für umgerechnet 1,20 Euro pro Stück. Monatlich ist damit ein Einkommen von etwa 2000 Euro möglich - zehn Mal mehr als ein durchschnittlicher iranischer Arbeitnehmer.

Angst vor der Polizei haben die Schwarzmarkthändler nicht. Nachdem das Urheberrecht im iranischen Rechtssystem nicht gesetzlich verankert ist, liegt das Ausmaß der Strafe ganz im Ermessen des Richters. Im schlimmsten Fall muss der Händler mit einem Monat Gefängnis zu rechnen - doch lässt sich für Bestechungsgelder von umgerechnet 100 Euro vieles lösen.