Microsofts Musikkampf gegen Apple
Mit einem furiosen Start seines Musikshops iTunes Store hatte der Computerhersteller Apple vor etwas mehr als einem Jahr die Musikbranche überrascht.
Doch der bisher schwergewichtigste Konkurrent steht seit heute in den Startlöchern. Microsoft macht nun ernst und dem jetzigen Onlinemusik-Marktführer mit einem eigenen Angebot die Stellung streitig.
Am Donnerstag gab der größte Softwarekonzern der Welt den Startschuss für seinen eigenen Musikdienst und will damit Apples erfolgreichen Musik-Shop iTunes ausstechen.
Über seinen Internet-Dienst MSN will Microsoft zunächst seinen amerikanischen Kunden vorerst 500.000 Songs für je 99 Cent zum Herunterladen anbieten, geplant ist ein Repertoire von über einer Million Musikstücke.
Defensive Haltung der Musikindustrie
Apple hatte mit seinem Erfolg in der jungen Branche wesentlich
dazu beigetragen, dass digitale Musik aus dem Netz überhaupt ihr
Schmuddel-Image loswurde. Der wachsende Teil an illegalen
Tauschaktionen von Musikstücken über Tauschbörsen ließ die
Musikindustrie defensiv reagieren und hinderte die Einführung
legaler Downloadservices.
Microsoft öffnet seinen Musik-StoreUm so überraschter nahm die Branche den großen Erfolg des Computerherstellers zur Kenntnis. Inzwischen hält Apple am weltweiten Markt für Online-Musik rund 70 Prozent und setzt bislang seinen Siegeszug ungehindert fort.
Selbst Konkurrent Sony hatte lobende Worte für die Pionierarbeit von Apple-Chef Steve Jobs übrig. Der japanische Elektronikkonzern ist seit Juli selbst mit seinem Angebot "Connect" vorerst in den USA online, das als universeller Marktplatz für Inhalte wie Musik, Videos und Filme genutzt werden soll.
Zahlreiche Unternehmen versuchen seither, sich einen Anteil am lukrativen Markt zu sichern. Selbst Napster ist wieder dabei, diesmal unter der "legalen" Leitung der Softwarefirma Roxio, die die Namensrechte übernommen hatte. Nach Schätzungen der Marktforschung Jupiter Research wird der Online-Musikmarkt von heute 270 Millionen USD bis zum Jahr 2009 auf insgesamt 1,7 Milliarden USD ansteigen.
Apple setzt auf Partner
Um der mächtigen Konkurrenz etwa von Microsoft auch weiterhin
entgegenzutreten, will sich Apple künftig Unterstützung von
Partnern, Unternehmen und Universitäten sichern. Diese dürften auf
ihren Websites auf jeden Song oder Künstler aus dem iTunes-Shop
verlinken, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Apple will den
dadurch entstehenden Umsatz mit einem Anteil von fünf Prozent
vergüten.
Apple verkaufte 800.000 Songs in EuropaMS sieht MP3-Player-Markt gelassen
Microsoft versucht nun, mit seiner eigenen Marktmacht und hochwertigen Angeboten zu punkten. Die Musikstücke sollen über den Windows Media Player oder den Microsoft Internet Explorer heruntergeladen werden können. Microsoft will sich nicht durch allzu restriktive Nutzungsbedingungen das Geschäft verderben. Der Kunde soll die Songs auf insgesamt fünf Computern abspielen und maximal sieben Mal auf CD brennen können.
Auf den bislang populären iPods von Apple werden die Musikstücke allerdings nicht abspielbar ein. Mit der Marktpräsenz des Geräts könnten über ein Drittel aller Nutzer von MP3-Playern die MSN- Musikstücke nicht abspielen.
Vorerst sieht Microsoft dem jedoch gelassen entgegen. Apple konnte zwar im dritten Quartal den Verkauf des iPod auf 830.000 Stück verdreifachen. Das Gerät sei jedoch lediglich in 4 Prozent aller US-Haushalte vertreten, sagte Mehdi. Der Markt sei noch sehr jung. "Es gibt genug Leute, die noch keinen Player gekauft haben, so dass wir uns über die installierte Basis der iPods nicht sorgen."
