HD-Streaming in der Zielgeraden
Seit Jahren versprechen die Hersteller das Ende des Kabelsalats durch Funkübertragung. Mit WirelessHD 1.0 ist man dem Ziel nun einen Schritt näher - als Zugeständnis an die Filmindustrie jedoch mit Einschränkungen. Als Alternativen rittern WLAN und UWB um die Gunst der Käufer.
Eigentlich hätte die Spezifikation für WirelessHD schon im Frühjahr 2007 fertig sein sollen, doch die Verhandlungen hatten offenbar etwas länger gedauert. Am Donnerstag nun legte das WirelessHD-Konsortium WirelessHD 1.0 vor.
Mit vier Gigabit pro Sekunde [in der nächsten Ausbaustufe bis zu 20] sollen damit hochauflösende Bilder ohne Komprimierung übertragen werden können - versprechen die Mitglieder des Konsortiums, darunter Sony, Matsushita [Panasonic], Samsung, Toshiba und - neu - auch Intel.
Maximal zehn Meter
Als Zugeständnis an die Filmindustrie habe man die Reichweite allerdings auf zehn Meter veschränkt, sagte der Vorsitzende des Konsortiums, John Marshall: "Wir können mit WirelessHD einen ganzen Raum abdecken, bis zu zehn Meter lang, aber wir verhindern technisch, dass das Signal bis in die Nachbarwohnung dringt." Das bedeutet wohl auch, dass die Inhalte nicht bis ins Nebenzimmer übertragen werden können.
Als Anwendungsbeispiele listet das Konsortium die Bild- und Tonübertragung von HD-Geräten wie HD-DVD- und Blu-ray-Playern an den Fernseher, aber auch von Musik-Playern, Handys Spielekonsolen, Lautsprechern und Videokameras.
Die Chips dafür sollen bereits direkt in die Geräte eingebaut werden können, ein zusätzliches Kästchen soll also nicht notwendig sein.
Weiter hinter dem Zeitplan
WirelessHD ist nicht die einzige Technologie für die Übertragung von HD-Videos, wenn auch - durch die Mitglieder - mit besonders viel Marktkraft dahinter. Allerdings hat noch kein Konkurrenzprodukt den Zeitvorsprung für sich zu nutzen gewusst, manche haben ihren Marktstart überhaupt verschlafen.
Philips etwa hatte auf der letzten CES eine Streaming-Lösung für HD-Videos gezeigt, die 2007 in den Handel hätte kommen sollen. Pulse-Link wollte bereits 2005 erste Chips für die Übertragung von hochauflösenden Videos liefern.
Mittlerweile hat der Hersteller es aber doch noch geschafft, Philips zu überholen: Westinghouse Digital Electronics zeigt dieses Jahr einen LCD-Fernseher mit einem Empfangschip von Pulse-Link, der auf Basis von UWB [Ultra-Wideband] funkt. Von Philips war seit der Ankündigung nichts mehr zu hören.
Das erste Gerät mit 47 Zoll zielt vor allem auf Geschäftskunden ab und soll im zweiten Quartal 2008 auf den Markt kommen, ein Preis dafür steht noch nicht fest.
Alternative WLAN
Andere Hersteller verlassen sich bei der Datenübertragung auf WLAN, darunter LG, das auch beim WirelessHD-Konsortium dabei ist.
LG wird bei der CES LCDs und Plasmafernseher zeigen, die ihre Daten über WLAN beziehen. Noch im ersten Halbjahr will LG zwei LCDs mit 47 bzw. 52 Zoll sowie Plasmafernseher mit 60 Zoll auf den Markt bringen.
Hewlett Packard hat bereits zwei HD-Fernseher mit WLAN im Angebot, die sich allerdings nur zu einem Computer und nicht zu Set-Top-Boxen oder anderen Geräten für die elektronische Unterhaltung verbinden können.
Alle Technologien und Geräte haben jedoch eines gemeinsam: Um ein Kabel für die Stromversorgung kommt man damit immer noch nicht herum.
(AP | futurezone)
