Neues Leben für Funkstandard Bluetooth
2006 wurde eine Milliarde Geräte mit integriertem Bluetooth für die drahtlose Übertragung von Daten ausgeliefert. Doch die Nutzung ist bisher auf wenige Gebiete beschränkt. Nun sollen ein neuer Standard und neue Geräte Bluetooth wieder Leben einhauchen.
Bluetooth-Treffen in Wien
Von Montag bis Donnerstag traf sich die Bluetooth Special Interest Group [SIG] in Wien, um über die Zukunft von Bluetooth zu diskutieren.
So viel wurde im Anschluss verraten: In den kommenden Wochen soll mit Bluetooth 2.1 + EDR eine neue Version finalisiert werden, die, für den Nutzer wohl am augenfälligsten, eine längere Akku-Laufzeit und einfacheres Pairing der Geräte verspricht.
Kommunikation wird verschlüsselt
Doch auch dahinter hat sich laut Anders Edlund, Marketingdirektor der SIG, einiges getan: So wird ab der Version 2.1 die Kommunikation zwischen den Geräten verschlüsselt, der PIN-Code erhöht sich von mindestens vier auf sechs Stellen.
Damit soll ein Sicherheitsloch beseitigt werden, das unter bestimmten Umständen "Man in the middle"-Attacken ermöglichte, sagte Edlund gegenüber ORF.at.
Schneller Datentransfer über UWB
Als Bluetooth erstmals auf den Markt kam, versprachen die Anbieter vor allem das Ende des Kabelsalats rund um den Computer. Wer heute an seinem Rechner hinunterschaut, wird, vor allem beim Einsatz externer Festplatten, meist feststellen, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat.
Zumindest teilweise Abhilfe schaffen könnte hier die Verschmelzung von Bluetooth mit Ultra Wide Band [UWB] von WiMedia, die laut Edlund als Nächstes auf der "Road-Map" von Bluetooth steht.
Dabei soll Bluetooth für die Verbindung zwischen den Geräten sorgen, während UWB möglichst schnellen Datentransfer garantieren soll.
Bei einer Demonstration konnten das britische Unternehmen Artimi über UWB an einer USB-Schnittstelle Daten mit bis zu 70 MBit/s übertragen.
Laut Artimi sind bis zu 480 MBit/s möglich - allerdings nicht über USB. An einem PCI-Slot wären hingegen 220 MBit/s innerhalb von drei Metern durchaus möglich. Bluetooth mit EDR bietet laut SIG maximal drei MBit/s.
Kein Ersatz für WLAN und WiMax
Ein Ersatz oder Konkurrenz für WLAN und WiMax werde Bluetooth damit aber nicht, so Edlund.
WLAN und WiMax seien Technologien für die Internet-Anbindung auch auf längeren Strecken, während Bluetooth immer ein Kurzstreckenfunk bleiben werde und als Komplementärtechnologie zu verstehen sei.
Mit Bluetooth sei abgesehen von der Stromversorgung die Vision eines Rechners ohne Kabel zumindest realisierbar, so Edlund.
Die Spezifikationen dafür sollen Ende 2007 feststehen, erste Geräte mit Bluetooth und UWB könnten bereits 2008 auf den Markt kommen.
Musik und Fotos kommen als Nächstes
Bluetooth ist allerdings nicht auf Computer beschränkt, vor allem in Handys findet sich der Funkstandard derzeit am häufigsten und wird hier wohl vor allem in Verbindung mit einer drahtlosen Freisprecheinrichtung genutzt.
Edlund sieht das nächste große Anwendungsgebiet für Bluetooth in der drahtlosen Übertragung von Musik und Bildern.
Hier soll vor allem die Einbindung von NFC [Near Field Communication] an die Bluetooth-Version 2.1 mehr Komfort für den Nutzer bringen: Die Eingabe eines PIN-Codes etwa kann in diesem Fall entfallen.
Dazu waren in Wien einige Demonstrationen und Produkte zu sehen, etwa der Bluetooth-Hi-Fi-Kompaktstereolautsprecher "Boombox" des Herstellers Parrot und ein Fotodrucker, der über NFC ein sich näherndes Handy automatisch erkennt und umgehend die Druckoption anbietet.
(futurezone | Nadja Igler)
