Boykott scheitert an Handy-Sucht
Vergangene Woche wurde im Libanon bereits zum zweiten Mal zum Handy-Boykott aufgerufen - weil die Telefongebühren die höchsten in der Region sind.
Während man im Libanon für 500 Minuten Telefonie etwa 141 Dollar bezahlt, sind es im Vergleich dazu in Syrien rund 77 Dollar, in Ägypten 52 Dollar und in Zypern nur 38 Dollar.
Trotzdem sind die Libanesen, ob arm oder wohlhabend, handy-verrückt. Erreichbarkeit ist wichtig und telefoniert wird überall, sogar im Kino.
Konsumentenschützer wollen nun in Form von öffentlichem Druck die staatlich betriebenen Mobilfunkfirmen Liban Cell und Cellis dazu bewegen, die Tarife zu senken, per Sekunden statt per Minuten abzurechnen und Gratis-Zusatzdienste anzubieten.
Auch in Italien floppte ein Handy-Streik gegen zu hohe Telefongebühren Mitte Juni laut den Mobilfunkbetreibern.
"Handystreik" angeblich geflopptNicht ohne mein Handy
24 Stunden ohne ihr Handy zu sein, scheint aber für viele Libanesen schlicht unvorstellbar zu sein. Bei einem ersten Boykott am 15. Juli ließen laut Konsumentenschützern etwa 52 Prozent der Libanesen ihre Handys ausgeschalten, laut offiziellen Angaben waren es jedoch weitaus weniger.
Dabei schätzen die Boykott-Organisatoren, dass dem Staat Einnahmen im Wert von 2,8 Millionen Dollar entgehen würden, wenn die etwa 800.000 Handy-Kunden ihr Telefon für nur einen Tag ruhen ließen.
Nun überlegt man, einen weiteren Boykott zu organisieren, der nur wenige Stunden dauert.
