1948: Die Fundamente der Zukunft

23.12.2007

Vor 60 Jahren sind drei Texte entstanden, die als entscheidend für die Entstehung unserer heutigen Informationsgesellschaft gelten. Daher werfen wir im Rahmen einer kurzen Weihnachtsserie einen Blick zurück in das Jahr 1948.

Am Ende des Jahres erlauben wir uns in der Futurezone zuweilen einen kurzen Rückblick. Während wir 2006 nachgesehen haben, was aus den mehr oder weniger exakt datierten Zukunftsvisionen der Serie "Reality Check" in der Zeitschrift "Wired" geworden ist, soll es diesmal in einer kleinen Serie um drei Publikationen gehen, die vor 60 Jahren erschienen oder fertiggestellt worden sind und die bis heute unsere tägliche Arbeit beeinflussen.

1948 erschien "Cybernetics", das Buch, mit dem Norbert Wiener wichtigen Einfluss auf die Entstehung der Systemtheorien nahm. Wieners zeitweiliger Kollege am MIT, Claude Elwood Shannon, begründete mit seinem Aufsatz "A Mathematical Theory of Communication" die Informationstheorie. Nicht zuletzt vollendete Eric Blair alias George Orwell 1948 die Arbeit an "Nineteen Eighty-Four".

Jeder der drei Texte ist für die heutige Informationsgesellschaft auf seine Art wichtig, ja grundlegend, ihre Autoren wirkten also tief in die Zukunft hinein.

2006: Reality Check Check

Krieg und Ende

Dabei hätte 1948 eigentlich alles enden können. Der Zweite Weltkrieg war kaum vorbei, da brach die Konfrontation zwischen den Westmächten und der Sowjetunion voll aus. Am 24. Juni ließ Stalin die Versorgung Westberlins blockieren. Bis Mai 1949 dauerte die Kraftprobe, während der sich niemand sicher sein konnte, ob der Kalte Krieg nicht doch wieder in einen bewaffneten Kampf zwischen den beiden Supermächten umschlagen würde. Im Nahen Osten kam es bereits einen Tag nach Gründung Israels am 14. Mai zum ersten Krieg zwischen dem neuen Staat und seinen arabischen Nachbarn.

Abseits dieser Konfrontationen, die noch Jahrzehnte weiterlaufen sollten, boten die Jahre nach dem Krieg auch die Chance zum intellektuellen Aufbruch. Wissenschaftler wie Norbert Wiener und Claude Shannon unterlagen nicht mehr der Geheimhaltungspflicht und konnten viele Ideen, die sie während des Krieges entwickelt hatten, endlich publizieren.

Schriftsteller und Journalisten wie George Orwell schüttelten die Kriegszensur ab und nutzten ihre Chance, gegen die zahlreichen Einschränkungen ihrer bürgerlichen Freiheiten zu protestieren.

Pausentaste drücken

Wenn man sich mit den Texten von Wiener, Shannon und Orwell von 1948 befasst, zeigt sich, wie wichtig es ist, aus den permanent laufenden inneren und äußeren Konflikten auszusteigen und ein paar Schritte zurückzutreten, um die anstehende Probleme aus neuen Perspektiven zu beleuchten.

Nur diejenigen, die es schaffen, über den Krieg hinauszudenken, werden einen sicheren Beitrag zu einer besseren Zukunft für die Gesellschaften der Welt leisten können. Das gilt sicher auch für den Umgang mit den alltäglichen ökonomischen Kleinkonflikten und den nach dem Willen seiner Schöpfer alles durchdringenden "Krieg gegen den Terror".

Insofern passt die Beschäftigung mit den Texten aus dem Schwebezustand des Jahres 1948 ganz gut in diese Tage. Am 24. Dezember befassen wir uns mit "Cybernetics", am 25. mit "Ninteen Eighty-Four" und am 26. mit Claude Shannons Informationstheorie. Bleibt uns noch, der geneigten Leserschaft ein frohes Fest und gute Ideen zu wünschen.

(futurezone | Günter Hack)