Reality Check Check: 2006

31.12.2006

Smarte Häuser, intelligente Klos und Gentherapie gegen Haarausfall. Ein Blick auf zehn Jahre alte kalifornische Prognosen lässt uns ins Schwärmen geraten. 2006 hätte so schön sein können.

Wirft man jedoch einen ersten, zweiten und dritten Blick auf die Innovationsprognosen der Reality-Checker, muss man sagen: Eigentlich haben wir nichts verpasst.

Futuristisch wie ein Schuhtelefon, exotisch wie der Schrei des Koboldmakis: Unsere kurze Serie stellt eine Auswahl von Zukunftsvisionen vor, die 1996 in dem Hardwired-Band "Reality Check" veröffentlicht wurden. Heute: 2006.

Selbstreinigende Toiletten

Fasziniert von den Errungenschaften der fernöstlichen Toilettenindustrie rief die Mannschaft von "Reality Check" 2006 zum Jahr der selbstreinigenden High-Tech-Bedürfnisanstalt aus.

"Zweifellos werden um 2006 Toiletten in US-Haushalten stehen, die von selbst spülen und sich automatisch reinigen", heißt es da.

Bisher haben sich computergesteuerte Luxustoiletten mit Duftspray und Rektaldusche in westlichen Ländern ja nur zögerlich durchsetzen können. Immerhin gibt es Zeitgenossen, die beim Anblick eines selbstreinigenden Klositzes noch fasziniert die Videokamera zücken, um das mechanische Ballett des Roboklos für die Öffentlichkeit festzuhalten. Acht Bewertungen - fünf Sterne!

Gentherapie gegen Haarausfall

"Bis 2006 werden Männer auf eine Gentherapie gegen Haarausfall zurückgreifen können", schrieb "Reality Check" und verzapfte damit puren Unsinn.

Stattdessen blüht das Geschäft mit Echthaar aus Indien, allerdings weniger für eitle Männer als für Frauen mit Rapunzel-Komplex. Wie praktisch, dass die hinduistischen Tempelbesucher, die sich für Gelübde die Haare vom Kopf rasieren lassen, für das Rohmaterial in der Regel keinen Cent sehen.

Ein Viertel der Häuser in den USA ist "smart"

"Bis 2006 wird ein Viertel der Häuser in den USA über Automatisierungstechnologie verfügen", schreiben die "Reality Check"-Macher. Sie meinen damit auch "Kaffeemaschinen mit Zeitschaltuhr", die dem Haus allerdings nur einen "recht niedrigen IQ" verleihen würden.

Nach diesem Maßstab dürfte wohl mittlerweile auch die bescheidenste Hütte in den Vereinigten Staaten irgendwie "smart" sein. Die darüber hinaus in "Reality Check" prognostizierten total vernetzten Haushaltsgeräte mit Fernsteuerungsoption tauchen zwar immer mal wieder in Modellhäusern und Herstellerprospekten auf, aber insgesamt leben auch die Bewohner der reichsten Länder trotz aller Bemühungen der Industrie immer noch nicht so wie die Jetsons.

Prime Directive

Das war der letzte Teil unseres Rückblicks auf die Zukunft des Jahres 1996. Was "Reality Check" für 2007 an Visionen bereitgehalten hat, verraten wir noch nicht.

Schließlich wollen wir ja die untoten Prognosen von damals nicht absichtlich dadurch sabotieren, dass wir sie schon vor der Zeit aus dem Vergessen zurückholen.

Allen futurezone-Leserinnen und -Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen, bedeutet glücklicherweise keinen Eingriff ins Raum-Zeit-Kontinuum. Also wünschen wir.

(futurezone | Günter Hack)