Microsofts Angriff auf Marktführer SAP
Microsoft will in den wichtigsten europäischen Märkten Deutschland, Frankreich und England den Umsatz mit Unternehmenssoftware innerhalb der nächsten drei Jahre vervierfachen. Das sagte der Chef von Microsoft Deutschland, Jürgen Gallmann zum "Handelsblatt" von heute.
Wie hoch die Umsatzlatte für die Microsoft Business Solutions in Zahlen liegt, wollte Gallmann nicht beziffern. Doch werde es in Deutschland nur wenige Anbieter geben, die in diesem Bereich vergleichbare Umsätze machen werden. Ähnlich ambitionierte Pläne bestehen für Frankreich und Großbritannien.
Dabei geht es weniger um den Markt für die ganz großen Unternehmen, in denen die Produkte beider Software-Firmen seit Jahren einträchtig neben- und miteinander laufen, sondern um die KMUs Europas.
Auf diesem stark wachsenden Markt hat die vordem ausschließlich auf Großfirmen spezialisierte SAP in den letzten beiden Jahren erfolgreich versucht, Fuß zu fassen. Der mit dem Datenaufkommen gestiegene Bedarf an entsprechender Software zur Verwaltung dieser Datenmengen auch in kleineren Unternehmen hat das stets auf Expansion in Wachstumsmärkte erpichte Top-Management Microsofts schon vor Längerem angelockt.
Zwischen dem führenden Anbieter von Unternehmenssoftware auf dem Weltmarkt, der deutschen SAP, und MS fliegen nicht erst die Fetzen, seit Microsoft in diesem Frühjahr versucht hatte, Europas größtes Softwarehaus übernehmen. Davor hatte SAP-Chef Henning Kagermann Microsoft gedroht, die Marktführung mit einem Preiskampf zu verteidigen.
MS wollte SAP übernehmenWachstum in allen Bereichen
Der CEO von MS-Deutschland widersprach damit der Einschätzung vieler Analysten, die nach der angekündigten Rekordausschüttung von 75 Milliarden Dollar [62,2 Mrd. Euro] an die Microsoft-Aktionäre innerhalb der kommenden vier Jahre das künftige Wachstumspotenzial für MS als begrenzt einschätzen.
"Microsoft wächst in allen Geschäftsbereichen", betonte Gallmann. So seien auch die Umsätze mit Serversoftware, Programmen für mobile Endgeräte sowie bei MSN deutlich gestiegen.
Microsofts Internet-Portal MSN hat im abgelaufenen Geschäftsjahr [30. Juni] in Deutschland erstmals einen Gewinn verbucht. Auch international hat MSN durch steigende Werbeeinnahmen Gewinne erzielt.
;SN-Deutschland erstmals mit GewinnKein Ausgehen der Finanz-Puste
Wer glaube, Microsoft sei nach den angekündigten Auszahlungen die finanzielle Puste für größere Übernahmen ausgegangen, täusche sich, sagte Gallmann. So müssten Übernahmen nicht ausschließlich auf den Kernmarkt Softwareproduktion beschränkt sein.
"Wir beobachten auch sehr genau angrenzende Branchen, in denen Software eine große Rolle spielt." Gallmann machte deutlich, dass Deutschland trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage für Microsoft einer von weltweit sieben Schlüsselmärkten sei, auch wenn Microsoft Deutschland im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht alle Ziele erfüllt habe.
