27.07.2004

HOLLYWOOD

300 Lautsprecher für künftigen Kino-Sound

Der MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg, Leiter des Fraunhofer Instituts Digitale Medientechnologie [IDTM], hat ein neues Soundsystem, das in Zukunft für extrem realistischen Raumklang in Kinos, Vergnügungsparks oder gar im eigenen Wohnzimmer sorgen soll, entwickelt.

Das so genannte "Iosono"-System kann etwa Pferdegaloppieren in der Mitte des Saals oder Schreie, die außerhalb des Gebäudes stattfinden, naturgetreu darstellen.

Derzeitige Surround-Systeme bieten dies nur demjenigen, der sich in idealer Position zu allen Lautsprechern befindet. Iosono soll hingegen den Raumklang auf alle Plätze im Kino gleichermaßen verteilen.

Nun wurde es erstmals Hollywood-Größen wie Disney, Warner und Paramount und Kinotechnologie-Spezialisten von Dolby, IMAX, Kodak und THX präsentiert.

300 Lautsprecher und mehr

Egal, wo der Zuschauer sitzt, er hört die Dialoge und Effektgeräusche aus der richtigen Richtung und Entfernung.

Möglich wird das durch die Wellenfeldfeldsynthese, die es ermöglicht Wellenfronten von Schallquellen oder Schallfeldern mit Hilfe eines linearen Lautsprecher-Arrays realitätsnah nachzubilden.

In der Praxis bedeutet dies, dass der gesamte Wiedergaberaum von Lautsprechern - im Vorzeigestudio für Hollywood sind es ganze 300 Stück - umgeben ist.

Bei der Iosono-Wiedergabe wird das Signal für jeden einzelnen Lautsprecher unterschiedlich berechnet. Somit kann das Klangfeld der Aufnahmesituation exakt reproduziert werden.

Hohe Umrüstungskosten

"Ein alter Traum von mir ist nun Realität. Erst mit heutiger Prozessorpower ist es überhaupt möglich geworden, vor zehn Jahren war es noch undenkbar," so Brandenburg.

Bis das neue System den Einzug in die heimischen Multiplexe finden wird, werden wohl noch einige Jahr vergehen.

Vor allem die Kosten für die Ausstattung des Kinos mit Lautsprecher-Arrays und starken Rechenkapazitäten sind hoch. Die Lizenzgebühren von Fraunhofer liegen zwischen 10.000 und 15.000 Dollar.

Das Fraunhofer-Team schätzt, dass das System daher vorerst nur bei einzelnen Spezial-Shows wie etwa in Vergügungsparks zum Einsatz kommen wird.