20.07.2004

INFINEON

Quartalsziele verfehlt, Aktie steigt

Da hat eine IT-Firma ihre Quartalsziele klar verfehlt, statt eines prognostizierten Gewinns wurden Nettoverluste im zweistelligen Millionenenbereich eingefahren - und was tut die Börse?

Im Fall des Chipherstellers Infineon, der heute morgen überraschende Verluste von 58 Mio Euro im Quartal bekannt gegeben hatte, honorierten die Börsianer dies mit einem satten Tagesplus von 2,37 Prozent. Infineon führt damit den DAX als größter Gewinner des Tages an.

Der Grund dafür: Neben einer aktuellen Umsatzsteigerung von 30 Prozent hatte Infineon einen vorsichtig-optimistischen Ausblick für 2005 abgegeben. Das ist es, was die Börsianer an IT-Werten momentan am meisten interessiert, zumal für Mitte 2005 mit einem Nachgeben der Branche gerechnet wird

Wie die Konkurrenz in Asien und den USA profitiert Infineon von den anziehenden PC- und Handyverkäufen, die der Chipindustrie lebhafte Umsatzzuwächse bescheren. Befürchtet wird, dass die Erholung in der Telekom- und IT-Branche bald ihren Höhepunkt überschritten hat.

Höhere Preise für Speicherprodukte sowie die gestiegene Nachfrage nach Produkten im Segment sichere mobile Lösungen sollen den Infineon-Wert im nächsten Jahr beflügeln.

Zittern vor Mitte 2005

Nach jahrelanger Flaute läuft es derzeit eigentlich rund für die weltweite Hightech-Branche. "Wir sind mitten im Aufschwung", sagt ein Analyst von der Privatbank Merck Finck. "Der weltweite Halbleitermarkt hat im Verlauf der letzten drei Monate beträchtlich an Dynamik zugelegt", sagte der kommissarische Infineon-Chef Max Dietrich Kley.

Intel konnte seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal auf 1,8 Mrd. Dollar [1,45 Mrd. Euro] verdoppeln. AMD verdoppelte den Umsatz auf 1,3 Mrd. Dollar und kehrte in die schwarzen Zahlen zurück.

Intel reduzierte freilich seine Prognose für die Bruttogewinnmarge und verwies auf steigende Lagerbestände. Gerade letzteres könnte darauf hindeuten, dass der Boom schwächer ausfällt als von den Unternehmen erwartet. Auch AMD war beim Ausblick vorsichtig. "Für das laufende Quartal und für das Weihnachtsgeschäft sind wir noch optimistisch", sagt Branchenexperte Kitz. Was dann komme, sei aber offen