15.06.2004

STUDIEN

Computerkriminalität in Firmen steigt

Ab Mittwoch befassen sich Experten aus ganz Deutschland bei einer Konferenz von KrollOntrack, einem internationalen Unternehmen für Datenrettung und elektronische Beweissicherung, in München mit Wirtschaftskriminalität.

In den vergangenen drei Jahren seien ihm bei seiner Arbeit im Vorstand des Bayerischen Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft [BVSW] und im Münchner Kompetenzzentrum für Sicherheit in Bayern [KoSiB] rund 200 Fälle von Computerkriminalität in Unternehmen bekannt geworden, sagt der Wirtschaftinformatiker Franz-Josef Lang.

Nur ein einziger Fall sei jedoch zur Anzeige gebracht worden. Von sich aus wird die Staatsanwaltschaft bei Computersabotage, Datenveränderung und Wirtschaftsspionage nur dann tätig, wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht: Es handelt sich um Antragsdelikte.

Wut, Enttäuschung, Ohnmacht

In drei Viertel der Fälle waren eigene Mitarbeiter daran beteiligt. Ähnliche Ergebnisse brachte eine 2003 veröffentlichte Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers [PWC]. Demnach waren 39 Prozent der Unternehmen in Deutschland von Wirtschaftskriminalität betroffen.

Immer öfter manipulieren Mitarbeiter laut Lang nicht aus kühlem Kalkül und zum eigenen finanziellen Vorteil, sondern aus Wut, Enttäuschung und Ohnmacht. Ein Grund dafür sei die unsichere Wirtschaftslage mit Stellenabbau und finanziellen Einschnitten.

In einem Fall, bei dem KoSiB zur Beratung zugezogen wurde, rastete ein im Zuge einer Restrukturierung gekündigter Systemadministrator aus. Er besorgte eine CD mit Viren-Programmen und spielte 11.000 Viren in das betriebsinterne Netz. Der Schaden lag bei 120.000 Euro, eine Anzeige erfolgte jedoch auch hier nicht.

"Söldnermentalität" bei Beschäftigten

Ähnliche Beobachtungen gibt es bei der Justiz. "Ich meine schon, dass ein Absinken der Moral und ein Sittenverfall im Arbeitsleben zu beobachten ist", fasst der Leiter der 1. Wirtschaftsabteilung bei der Staatsanwaltschaft München I, Michael Rogger, zusammen.

Rogger sieht eine zunehmende "Söldnermentalität" bei den Beschäftigten. Sobald ein Arbeitsverhältnis beendet sei, fühlten sich Mitarbeiter frei, sich zu bedienen. Die Mehrzahl der Fälle stehe in Zusammenhang mit einem Arbeitsplatzwechsel. Meist sei es der Mitarbeiter, der von sich aus geht und dabei noch etwas mitnimmt.

Auch fördere der Eindruck, von der eigenen Firma ungerecht behandelt worden zu sein, die Neigung zum Diebstahl. Und schlechte Beispiele verderben laut Hermes-Studie die guten Sitten - Beispiele, wie sie auch bei Managern immer wieder ans Licht kamen. "Deren Vorbildfunktion wirkt leider ganz besonders auch im negativen Sinne", heißt es in der Studie.