SAP pocht auf Unabhängigkeit
SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp befürwortet nach dem Annäherungsversuch des US-Softwareriesen Microsoft eine weitere Eingeständigkeit des Walldorfer Unternehmens.
"Offenbar sind die Gesprächspartner beim Abwägen der Risiken auch zu dem Schluss gekommen, dass man es besser lassen sollte. Dieses Ergebnis deckt sich mit meinem Bauchgefühl", sagte Hopp, der im SAP-Aufsichtsrat sitzt, in einem Gespräch mit dem Magazin "Focus". Ein Zusammenschluss mit Microsoft hätte für Hopp dennoch große Charme gehabt. "Das wäre ein unschlagbares Gebilde geworden."
In dem am Samstag vorab veröffentlichten Bericht sieht zwar Hopp auch in der schnelllebigen Software-Branche die SAP für die nächsten fünf Jahre auf der sicheren Seite. "In der Konstellation mit Microsoft wäre sie vielleicht 20 Jahre auf der sicheren Seite gewesen", sagte er.
"Hätte auf Eigenständigkeit gepocht"
Im Falle eines Zusammenschlusses mit Microsoft hätte Hopp auf
eine weit gehende Eigenständigkeit von SAP gepocht. "Ich hätte
beispielsweise darauf gedrängt, dass SAP ein Unternehmen mit Sitz in
Deutschland bleibt und dass hier keine Stellen abgebaut würden",
sagte er.
"SAP steht nicht zum Verkauf"Gründer halten 38 Prozent
Die Firmengründer Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira halten mit ihren Familien, Stiftungen und Beteiligungsgesellschaften 38 Prozent der SAP-Anteile.
Microsoft und SAP hatten am Montag überraschend mitgeteilt, seit Ende 2003 bis zum Frühjahr Sondierungsgespräche über ein Fusion geführt zu haben. Diese wurden nach Angaben von Microsoft aber wegen der Komplexität einer solchen Transaktion und wegen der schwierigen Integration ergebnislos abgebrochen. Sie sollten auch nicht wieder aufgenommen werden.
Nach Ansicht von Analysten wäre Microsoft das einzige Unternehmen gewesen, das SAP mit einer Marktkapitalisierung von 52,2 Milliarden USD hätte schlucken können. Der Softwareriese von Bill Gates ist an der Börse 280 Milliarden USD wert und hat 56 Milliarden USD in der Kasse.
