Die IT-Woche im Überblick

03.11.2007

ICANN-Chef Vint Cerf geht ab, die Vorratsdatenspeicherung sorgt weiterhin für Aufregung, Rupert Murdoch will beim Web-TV-Boom mitmischen, und Google umgarnt Social-Networking-Sites. Das war die IT-Woche vom 28. Oktober bis 3. November.

Internet-Pionier Cerf verkündete am Montag seinen Rückzug als Chef der Internet-Verwaltung ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers]. Cerf, der in den 1970er Jahren gemeinsam mit Robert Kahn das Internet-Protokoll TCP/IP entwickelt hatte, stand der Organisation seit 2000 als Vorstandsvorsitzender vor. Die ICANN durchlief in dieser Zeit einige Turbulenzen und wurde wiederholt wegen ihres Naheverhältnisses zur US-Regierung kritisiert.

Cerf will sich nun einer Aufgabe als "Chief Internet Evangelist" bei Google widmen und einige Bücher schreiben. Zu seinem Nachfolger wurde am Freitag der neuseeländische Anwalt Peter Dengate Thrush gekürt. Der in Wien lebende italienische Mathematiker und Informationstechnik-Experte Roberto Gaetano wurde zu seinem Stellvertreter gewählt.

Webvideos von Rupert Murdoch

Hulu, das von Rupert Murdochs News Corp. und dem US-Medienkonzern NBC initiierte werbefinanzierte Webvideo-Portal, nahm am Montag den geschlossenen Betabetrieb auf. Zu sehen sind unter anderem Serienhits wie "The Simpsons" und "Heroes".

In einigen Monaten soll das ausschließlich mit professionellen Inhalten bespielte Portal für alle US-Nutzer offen sein und YouTube User abspenstig machen. Ob und wann Hulu auch von Europa aus zugänglich sein wird, ist noch offen.

Weiter Aufregung über Data-Retention

Die deutschen Bürgerrechtler vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung [Data-Retention] bekräftigten am Dienstag ihre Absicht, gegen die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung Verfassungsbeschwerde einlegen zu wollen. Gegen die pauschale Überwachung aller EU-Bürger meldeten vergangene Woche auch die deutschen Zeitschriftenverleger und Ärzte Bedenken an.

Am 6. November soll im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages gegen die Data-Retention demonstriert werden. Der deutsche Bundestag soll drei Tage später, am 9. November, über den Gesetzesentwurf zur Neugestaltung der Telekommunikationsüberwachung abstimmen.

Auch in Österreich ist die Vorratsdatenspeicherung im Anrollen. Der nächste Entwurf zur Novelle des Telekommunikationsgesetzes [TKG] steht kurz vor der Fertigstellung. SPÖ und ÖVP suchen noch nach einer gemeinsamen Linie zu Speicherdauer und Zugriffsschwelle, hieß es. Am kommenden Mittwoch soll die Vorratsdatenspeicherung auf Kabinettsebene besprochen werden.

"Leopard, ein Renner"

Apple vermeldete am Dienstag, seit dem Start am 26. Oktober bereits zwei Millionen Stück von Mac OS X Leopard verkauft oder im Rahmen von Maintenance-Lizenzen ausgeliefert zu haben.

"Die ersten Anzeichen zeigen, dass Leopard der absolute Renner bei den Kunden ist", sagte Apple-Chef Steve Jobs.

Deutschland: Fingerabdrücke im Pass

Seit Donnerstag werden in Deutschland nur noch Reisepässe ausgegeben, die zusätzlich zu einem digitalen Bild auch die Abdrücke der Zeigefinger des Inhabers gespeichert haben. Bei den elektronischen Reisepässen kommt eine Smartchip-Technologie des steirischen Unternehmens NXP zum Einsatz.

Die Reaktionen auf die Einführung des elektronischen Passes in Deutschland waren gemischt. Die Polizeigewerkschaft freute sich, Datenschützer warnten vor Missbrauch. In Österreich soll die Speicherung von Fingerabdrücken für die seit Mitte Juni 2006 erhältlichen neuen Biometriepässe spätestens 2009 beginnen.

Google setzt auf Social Networking

Das US-Internet-Unternehmen Google startete am Donnerstag seine Plattform "Open Social". Damit will Google eine Art Standard für Programmierschnittstellen in Sozialen Netzwerken etablieren.

Zu den Kooperationspartnern Googles zählen unter anderem die Netzwerke LinkedIn, Hi5.com, Frindster, Ning, Xing, Plaxo, Newsgator und das hauseigene Orkut. Am Freitag schloss sich auch MySpace der Initiative an. Auch Facebook will eine Beteiligung an dem Projekt prüfen.

Nokia startet Online-Musikshop

Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia will künftig verstärkt mit Dienstleistungen auf dem Handy punkten und startete am Freitag in Großbritannien seinen Online-Musikshop, der auch den Download von Songs direkt auf Mobiltelefone erlaubt.

Warner Music stellt als einziger der vier großen Musikkonzerne keine Inhalte zur Verfügung. Der Grund: Laut Warner Music wird auf Nokias Datentausch-Website Mosh auch nichtlizenziertes urheberrechtlich geschütztes Material in Umlauf gebracht.