Steirische Chips für deutsche Pässe

kontrolle
02.11.2007

Der Chip für die deutschen E-Pässe kommt aus dem steirischen Gratkorn. Deutsche Bürgerrechtler und Politiker kritisieren die Erfassung von Fingerabdrücken für Reisedokumente.

Die in Deutschland ab sofort ausgegebenen elektronischen Reisepässe der zweiten Generation arbeiten mit der Smart-Chip-Technologie der steirischen NXP, wie das Unternehmen in einer Aussendung vom Freitag bekanntgegeben hat.

NXP ist ein von Philips gegründetes, heute unabhängiges Halbleiterunternehmen. Die Kontaktlostechnologie für diese Chips wird im Kompetenzzentrum für Identifikationslösungen im steirischen Gratkorn entwickelt.

In der zweiten Phase der Einführung von E-Pässen innerhalb der EU sind die Mitgliedsstaaten aufgefordert, elektronische Reisedokumente mit digitalen biometrischen Informationen in Form zweier Fingerabdrücke zu versehen. Nach dem Erfolg der im November 2005 eingeführten ersten Generation von E-Pässen in Deutschland ermöglicht der NXP-SmartMX-Chip die Speicherung von biometrischen Daten auf dem Passdokument. Mit den Fingerabdrücken wird eine noch stärkere Verknüpfung mit dem Passinhaber möglich.

Sicher dank Chip?

Biometrie-Experten und Bürgerrechtler haben seit Einführung der E-Pässe in Europa wiederholt darauf hingewiesen, dass die aufwendige Implementation biometrischer Merkmale in Ausweisdokumenten nicht automatisch einen Zugewinn an Sicherheit bringt. Der Chaos Computer Club [CCC] etwa hat auf seiner Website eine detaillierte Anleitung zum einfachen Fälschen von Fingerabdrücken veröffentlicht.

Ab 2009 sollen nach dem Willen der deutschen Bundesregierung auch die Personalausweise mit biometrisch gesicherten Chips ausgestattet werden. Damit muss jeder deutsche Staatsbürger ab 16 Jahren Fingerabdrücke bei staatlichen Stellen registrieren lassen. In Deutschland besteht Ausweispflicht.

Im Gespräch mit der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" warnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss unlängst vor einer "präventiven Erfassung der gesamten Bevölkerung".

Mega-Business Identität

NXP hat die ehemals staatliche Bundesdruckerei GmbH, den Hersteller der elektronischen Reisepässe in Deutschland, seit Einführung der neuen Technologie bereits mit rund 4,5 Mio. E-Pass-Paketen beliefert. Diese beinhalten neben dem Chip auch das Betriebssystem sowie das E-Pass-Inlay.

Weltweit unterstützt das Elektronikunternehmen nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent aller E-Pass-Projekte und hat bisher über 100 Mio. Identity-Cards an seine Kunden ausgeliefert. 43 von 51 Betreiberländern setzen den Angaben zufolge auf die Smart-Chip-Technologie von NXP, darunter auch die USA, Frankreich und Singapur.

NXP betreibt in Österreich zwei Hauptquartiere mit insgesamt rund 750 Mitarbeitern: das Kompetenzzentrum für die Entwicklung und Produktion von mobilen Akustiklösungen in Wien sowie die Entwicklungsstätte für kontaktlose RFID [Radio Frequency Identification]-Halbleiter in Gratkorn, die laut Eigenangaben beide in ihren Geschäftsbereichen Weltmarkt- und Technologieführer sind.

(APA | futurezone)