07.04.2004

BOOT

40 Jahre Großrechensysteme

Am Mittwoch vor 40 Jahren kündigte IBM weltweit das erste Großrechensystem an - das "System/360".

"Es war wie das Anwerfen eines Kraftwerks. Der doppelte Boden des Rechenzentrums erzitterte, brummende Ventilatoren wühlten die Luft auf, Magnetplatten sangen das hohe C", hinterließ der Mainframe beim Schweizer Schriftsteller Emil Zopfi, der Anfang der siebziger Jahre als IBM-Systemingenieur arbeitete, einen nachhaltigen Eindruck.

IBM-Chef Tom Watson jr. war Anfang der 60er Jahre bereit, das Schicksal der Firma auf eine völlig neue Basis zu stellen.

"Erstmals wurde ein Großrechner als Rechnerfamilie konzipiert", sagt Ralf Bülow, Computer-Historiker des Heinz-Nixdorf-MuseumForums in Paderborn. Damit wurde insbesondere die Wiederverwendbarkeit von Programmen gewährleistet, denn bis dahin musste Software bei einem Systemumstieg immer wieder neu geschrieben werden.

Marketingtricks und verzögerte Auslieferung

Bei der Einführung des neuen Großrechners griff Watson jr. tief in die Trickkiste. Im April 1964 war das neue System nämlich längst noch nicht fertig. Watson hatte aber mitbekommen, dass der kleine Wettbewerber CDC "den größten und schnellsten Computer der Welt" auf den Markt bringen wollte.

Gegen den "Phantom-Computer" von IBM, der erst anderthalb Jahre später tatsächlich ausgeliefert wurde, hatte CDC aber keine Chance mehr. Ein von CDC angestrengter Prozess wegen unlauteren Wettbewerbs endete 1973 mit einem Vergleich.

Die größte der 360er-Maschinen hatte damals einen Speicherplatz von einem Megabyte. Der Großrechner konnte nur von Programmierern bedient werden. Komplizierte Rechenoperationen waren schwierig, denn sie mussten alle auf die Grundform der Addition zurückgeführt werden.

Klon im Ostblock

In den 70er und 80er Jahren dominierte IBM mit dem System/360 und den Nachfolgemodellen den Markt der Großrechner. Selbst im damaligen Ostblock wurde die IBM-Architektur zum Standard erklärt, obwohl die RGW-Staaten keinen direkten Zugriff auf die Hochtechnologie aus dem Westen hatten.

In der DDR wurde das IBM-System unter dubiosen Umständen nachgebaut. Die Großrechenanlage "ESER 1055", ein Klon des IBM-Systems aus dem Sachsenwerk in Dresden, kann heute im Museum in Paderborn besichtigt werden.

Auch 40 Jahre nach der Einführung des Systems/360 sieht der deutsche IBM-Forschungschef Herbert Kircher auch heute noch eine strahlende Zukunft für Großrechner, denn kein System arbeite so zuverlässig wie ein Mainframe.