22.03.2004

FUNK & NETZ

Telefonie- und Datennetze verschmelzen

Während die Mobilfunker ihre teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen endlich auf Touren bringen wollen und dazu sogar über einen Namenswechsel nachdenken, droht den Betreibern neue Konkurrenz.

Nicht nur das auf der CeBIT breit propagierte WLAN und Voice over IP [VoIP] könnten den Erfolg der dritten Mobilfunkgeneration 3G schmälern.

WiMAX [auf Basis des Funknetzstandards 802.16], das von Industriegrößen wie Intel und Nokia unterstützt wird, ermöglicht nicht nur schnellere Datenübertragung als bisherige Funknetze, sondern ist auch wesentlich schneller als die möglichen Übertragungsraten von 3G.

Zudem können damit nun Entfernungen bis zu 50 Kilometer überbrückt werden, bei einem deutlich geringeren Bedarf an Funkmasten bei gleicher Abdeckung.

Drahtloses Festnetz und "Walkie-Talkie"

Mit WiMAX könnten Festnetzanbieter ohne eigenen Mobilfunk ihre bereits amortisierten Leitungen auch für drahtlose Telefonie, in dem Fall dann VoIP, nutzen, zu wesentlichen geringeren Kosten, als bei 3G bisher angefallen sind.

Damit könnten sie das Produkt auch zu einem günstigeren Preis weiterverkaufen. Entsprechende Mobiltelefone, vorerst für die WLAN-Nutzung, wurden zuletzt in Cannes und jetzt auch bei der CeBIT vorgestellt.

Es sei eine wunderbare Möglichkeit für Festnetzanbieter, so Adrian Nemcek, Chef von Motorolas Abteilung für drahtlose Infrastruktur auf der CeBIT. Bereits in wenigen Jahren, glaubt Nemcek, werde WiMAX für viele User Realität sein. Ausgehend von 2007 bzw. 2008 bliebe 3G dann nur drei Jahre für die Marktetablierung, so Nemcek weiter.

Auch Push-to-Talk könnte am Erfolg von 3G knabbern. Immer mehr Hersteller unterstützen und integrieren die "Walkie-Talkie-Funktion" in ihren Handys. Motorola erwartet bereits für kommendes Jahr den Durchbruch des Mobilfunk-Service. Nokia will in diesem Frühjahr erste Geräte auf den Markt bringen.

Nicht das Netz zählt, sondern der Service

Der französische Netzbetreiber France Telecom [FT] hat sich nach eigenen Angaben darauf eingestellt, dass in Zukunft nicht mehr die Technologie im Vordergrund stehen wird, sondern die Qualität der Verbindung, egal ob 3G, WLAN oder andere drahtlose Netze.

"Wir waren eine Firma die ein Netzwerk betrieben hat und wir werden zu einem Unternehmen, dass für die angebotenen Services das beste verfügbare Netzwerk nutzt", so FT-CEO Thierry Breton bei der CeBIT.

Für solche Zwecke plant Motorola den Betreibern eigene Netzwerke anzubieten, die sowohl 3G, WLAN, WiMAX als auch zukünftige drahtlose Netzwerke handhaben können.