ICANN erhält Hilfe gegen VeriSign
In der Auseinandersetzung zwischen der Internet-Verwaltung ICANN [Internet Corporation für Assigned Names and Numbers] und VeriSign hat die ICANN nun unerwartete Hilfestellung erhalten.
Der US-Registrar Go Daddy hat der ICANN für die zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten bis zu 100.000 USD finanzielle Unterstützung angeboten.
Daneben hat Go Daddy auch Briefe, unter anderem an das US-Handelsministerium [DOC] und die ICANN selbst, verschickt, in denen das Unternehmen auffordert, die Position von VeriSign als Domainveralter genau zu untersuchen.
"VeriSign setzt seine eigene Rentabilität vor das Wohlergehen des Internets", so Go-Daddy-Chef Bob Parson. Es sei im Interesse der Netzgemeinde, dass derartiges Verhalten gestoppt werde.
VeriSign hat letzte Woche Klage gegen die ICANN eingereicht. Dabei geht es in erster Linie um das ICANN-Verbot des umstrittenen VeriSign-Dienstes SiteFinder sowie der Einführung weiterer Dienste des Verwalters der .com- und .net-Domains.
"Krieg" um die Internet-VerwaltungVertragsgemäßes Verhalten
Für Go Daddy hat die ICANN gemäß dem Vertrag zwischen der Internet-Verwaltung und dem Handelsministerium gehandelt. Demnach müssen Änderungen an VeriSigns Geschäftsgebahrung zuerst von der ICANN und dann vom Ministerium abgesegnet werden.
VeriSign habe diese Vereinbarung durch die Aktivierung seines SiteFinder-Dienstes im Herbst letzten Jahres gebrochen. Damals leitete VeriSign alle [Fehl-]Abfragen von nicht existenten .com- und .net-Domains auf seine eigene Suchmaschine SiteFinder um.
Die ICANN sei eine kleine Non-Profit-Organisation, deren Ziel es sei, die gerechte Funktion des Domain-Name-Systems sicherzustellen. VeriSign habe die ICANN wegen genau diese zugesicherten Funktion verklagt, so Go Daddy in dem Brief.
VeriSign strebe ein Monopol an, so Parson. Wenn die ICANN vor Gericht verliere, würden auch alle anderen verlieren - außer VeriSign, so Parson weiter.
Mit einer Online-Petition will Go Daddy zudem Unterstützung für die ICANN, aber auch Bedenken gegen VeriSign sammeln. Alle Kommentare sollen an die ICANN und das Ministerium weitergeleitet werden. Die Petition zielt darauf ab, VeriSign als Domainverwalter zu entlassen.
Recall VeriSignKampf um Einfluss
VeriSign wirft der ICANN Wettbewerbsbehinderung vor. Die ICANN habe ihr Mandat als technische Koordinierungsstelle überschritten und agiere mehr und mehr als Regulierer, so VeriSign.
Sollte VeriSign tatsächlich Erfolg mit seiner Klage haben, dann verliert die ICANN erheblich an Einfluss. Damit könnten die Vereinten Nationen und die ITU [International Telecommunication Union] eine größere Rolle bei der Kontrolle des Internets erlangen.
VeriSign selbst scheint daran jedoch kein Interesse zu haben. In einem internen Memo an die Angestellten gab Vizepräsident Rusty Lewis an, dass "eine glaubwürdige ICANN das Beste für das Internet ist".
Die Firma unterstütze globale Rahmenbedingungen für die Koordination des Domain-Name-Systems. Die Klage diene dazu, Klarheit rund um die ICANN zu schaffen.
Die ICANN hat bei ihrem Treffen in Rom die "country code top-level domain Names Supporting Organization" [ccNSO] gegründet. Das Treffen geht von 2. bis 6. März, dabei wollen die Mitglieder der ICANN laut Angaben über die Zukunft der Internet-Verwaltung beraten.
ICANN Rom
