Linux Foundation gegen OOXML

standards
29.08.2007

Die Linux Foundation hat die nationalen Standardisierungsgremien aufgefordert, bei der Fast-Track-Standardisierung von Microsofts Office Open XML mit einem kommentierten Nein zu stimmen.

Am 2. September geht die Frist zu Ende, in der die nationalen Standardisierungsgremien ihre Stimme und ihre Kommentare zur Standardisierung von Office Open XML bei der International Organization for Standardization [ISO] abgeben können. Die Linux Foundation hat den bisher unentschlossenen Gremien nun empfohlen, "No, with comments" zu stimmen.

Die Linux Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die von mehreren Großunternehmen getragen wird und sich unter anderem um die Entwicklung der Linux Standard Base kümmert, also eines Grundsystems, das in den wichtigsten Linux-Distributionen für das Vorhandensein bestimmter Software-Komponenten sorgen soll.

Im Vorstand der Linux Foundation sitzen unter anderen Vertreter von HP, IBM, Fujitsu und der Bank of America sowie der südafrikanische Multimilliardär Mark Shuttleworth [Ubuntu]. CTO der Linux Foundation ist Markus Rex, der von dem Microsoft-Verbündeten Novell an die Stiftung ausgeliehen wurde. Auch der US-Patentanwalt und bekennende OOXML-Kritiker Andy Updegrove ist Vorstandsmitglied der Stiftung.

Standard bereits vorhanden

Die Linux Foundation lehnt OOXML ab, da es mit ODF bereits einen ISO-Standard für XML-basierte Bürodateiformate gebe. Weiterhin sei die Spezifikation für OOXML zu umfangreich, um sie innerhalb der üblichen Fast-Track-Fristen korrekt begutachten zu können.

Nach Ansicht von Microsoft sollte OOXML alias Ecma 376 ein ISO-Standard werden, weil es die beste Kompatbilität mit den alten binären Office-Dokumenten und bessere Workflow-Optionen biete als ODF.

Für Microsoft ist die ISO-Zertifizierung deshalb wichtig, weil vor allem große Organisationen und Staaten bei der Beschaffung zunehmend darauf achten, dass in der Datenverarbeitung herstellerunabhängige Formate zum Einsatz kommen. Kritiker wie Updegrove und die Free Software Foundation Europe [FSFE] meinen, dass bei OOXML genau diese Unabhängigkeit nicht gegeben sei, da nur Microsoft das Format umfassend implementieren könne.