Cyber-Cops überwachen Internet

China
29.08.2007

Ab Samstag sollen auf chinesischen Websites virtuelle Polizisten patrouillieren.

Alle halbe Stunde werde ein grüßendes Polizistenpaar auf dem Bildschirm erscheinen, wenn ein Internet-Nutzer eines der 13 in Peking ansässigen Internet-Portale nutze, berichtete die Tageszeitung "China Daily" am Mittwoch unter Berufung auf die chinesischen Behörden.

Gleichzeitig sollten die "Cyber-Polizisten" dazu beitragen, Websites und Nutzer dingfest zu machen, die sich mit regierungskritischen Themen, Pornografie, Glücksspiel und Steuerbetrug befassen.

Tests seit einem Jahr

"Es ist unsere Pflicht, Informationen zu vernichten, die dem Volk schaden und die Gesellschaftsordnung stören", sagte der stellvertretende Chef der Behörde für Internet-Überwachung der Tageszeitung.

Internet-Nutzer könnten die virtuellen Polizisten auch anklicken und ihnen dann verdächtige Aktivitäten im Internet melden.

Die virtuellen Polizisten werden bereits seit einem Jahr auf Website der südchinesischen Stadt Shenzhen getestet.

Kritik von Menschenrechtsgruppen

China wird für seine strenge Überwachung des Internets von Menschenrechtsgruppen und ausländischen Beobachtern kritisiert.

In der vergangenen Woche hatten Yahoo China, MSN China und andere Internet-Anbieter eine Liste von politischen Verhaltensmaßregeln unterschrieben.

Große Anbieter geben klein bei

Darin verpflichteten sie sich, die "Interessen des chinesischen Staates zu schützen" und keine "gesetzeswidrigen und falschen Botschaften" zu verbreiten.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte den Verhaltenskodex als Ende der Blogs und der Anonymität ihrer Autoren.

Zwei chinesische Dissidenten, die pro-demokratische Materialien im Netz publiziert hatten und deshalb in China zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, haben das US-Internet-Unternehmen Yahoo wegen der Weitergabe von Daten geklagt. Yahoo lehnte am Dienstag jede Verantwortung für seine Taten ab. Man habe sich den chinesischen Gesetzen konform verhalten, hieß es aus dem Unternehmen.

(futurezone | AFP)