Chinesischer Internet-Autor verhaftet
Wegen Kritik an Menschenrechtslage in China
Der regimekritische chinesische Internet-Autor Lu Gengsong ist wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" und "Besitzes von Staatsgeheimnissen" festgenommen worden.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtete am Sonntag, der bekannte Dissident werde im Xihu-Bezirksgefängnis nahe Hangzhou [Provinz Zhejiang] festgehalten.
Lu Gengsong hatte Artikel auf chinakritischen Webseiten veröffentlicht und Appelle zur Verbesserung der Menschenrechtslage in China unter anderem an die Vereinten Nationen mitunterzeichnet.
Die Festnahme erfolgte nur zwei Tage vor dem China-Besuch von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, die am Sonntagabend in Peking eintreffen wird und in ihren Gesprächen auch die bedrückende Lage der Menschenrechte und die mangelnde Pressefreiheit zur Sprache bringen will.
Festnahmen an der Tagesordnung
Welcher Willkür in China auch Verwandte von Bürgerrechtlern ausgesetzt sind, demonstrierte die vorübergehende Festnahme von Yuan Weijing, der Ehefrau des inhaftierten blinden Aktivisten Chen Guangcheng, die auf dem Pekinger Flughafen daran gehindert wurde, auf die Philippinen zu fliegen.
In Manila wollte sie anstelle ihres Mannes den renommierten Menschenrechtspreis der Ramon-Magsaysay-Stiftung entgegennehmen, der Chen Guangcheng wegen seines unerschütterlichen Einsatzes für die Bürgerrechte verliehen worden war.
Trotz eines gültigen Passes und eines Visums der Philippinen habe die Polizei einfach ihren Pass für ungültig erklärt, berichtete die Menschenrechtsgruppe Chinese Human Rights Defenders [CHRD].
Chen Guangcheng war 2006 wegen des Vorwurfs der Verkehrsbehinderung und Anstiftung zu Unruhen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er 2005 in der Provinz Shandong weit verbreitete Zwangsabtreibungen und -sterilisationen bei der Durchsetzung der Einkindpolitik aufgedeckt hatte.
(dpa)
