28.02.2004

MOBILFUNK

Senioren als künftige Handy-Zielgruppe

Bei älteren Menschen verstaubt das Mobiltelefon oft ungenutzt im Schrank. "Sie trauen sich nicht an ihr Handy und haben Angst, etwas kaputt zu machen", sagt Joachim Dung, Sprecher der Deutschen Seniorenliga.

Mobilfunk ist für ältere Menschen, deren Zahl in den nächsten Jahren massiv steigen wird, oft ein Buch mit sieben Siegeln. Die fast durchgängig auf jugendlichen Lifestyle getrimmten Mobilfunkfirmen und Handyersteller machen es der Altersgruppe auch nicht einfach: Immer kleinere Geräte, winzige Tasten, schlecht lesbare Displays und komplizierte Bedienmenüs stellen ältere Kunden oft vor unüberwindbare Hürden.

Nicht viel besser sieht es bei den Betreibern der Handynetze aus. Der deutsche Betreiber E-Plus winkt bei der Frage nach seniorengerechten Angeboten sofort ab. "Einen speziellen Rentnertarif haben wir nicht", sagt auch Roland Kuntze, Sprecher von O2 Germany. Ähnlich fällt die Antwort beim Marktführer T-Mobile aus: "Wir haben weder spezielle Rentnertarife noch Seniorenhandys."

Marktbedeutung der Älteren nimmt zu

Doch spätstens ab Ende des Jahrzehnts dürfte den Mobilfunkfirmen wegen des Geburtenknicks Anfang der 90er Jahre die jugendliche Kundschaft spürbar wegbrechen, während gleichzeitig die Marktbedeutung der Älteren zunimmt. "Viele werden merken, dass sich sich auf diese wachsende Bevölkerungsgruppe besser einstellen müssen", sagt Dung.

Vodafone hat immerhin einen Anfang gemacht. Es werden Schnupperkusrse angeboten, bei denen Rentner ihre eigenen Handys mitbringen und in vier Stunden den grundlegenden Umgang damit lernen können. Einen Lerneffekt gibt es auch für den Netzbetreiber. "Ältere wollen vor allem eine sehr einfache Navigation und möglichst wenige Knöpfe", sagt Vodafone-Sprecherin Ute Schack.

Mit den 50- bis 60-Jährigen habe das Unternehmen zudem insgesamt gute Erfahrungen gemacht. Echte Problemfälle gebe es erst danach, sagt Schack, "so ab 70 gehts los".