EU-Kommissionspräsident Prodi entlastet
Der skandalumwitterter italienischer Geschäftsmann, Antonio Volpe, der in den vergangenen Monaten den EU-Kommissionspräsident Romano Prodi im Zusammenhang mit der Affäre um angebliche Schmiergeldzahlungen um die Telekom Serbia belastet hatte, ist wegen Verleumdung verhaftet worden.
Volpe galt bisher als Schlüsselfigur im Skandal, in dessen Sog neben Prodi der Parteivorsitzende der oppositionellen Linksdemokraten, Piero Fassino, und den Ex-Regierungschef Lamberto Dini geraten waren. Volpe befindet sich in einer römischen Strafanstalt, hieß es aus Ermittlerkreisen am Donnerstag.
Im Skandal ging es um Schmiergelder, die angeblich im Zusammenhang mit dem Kauf eines 30-prozentigen Aktienpakets der Telekom Serbia durch die Telecom Italia im Jahr 1997 gezahlt wurden. Prodi, der zu diesem Zetpunkt italienischer Ministerpräsident war, wurde in den vergangenen Monaten von Volpe und vom zwielichtigen Geschäftsmann Igor Marini beschuldigt, im Zusammenhang mit der Übernahme der Beteiligung an der Telekom Serbia kassiert zu haben.
Prodi will vor Kommission aussagenEntschuldigung fällig
Prodi, Dini und Fassino haben laut Marini Schmiergelder in der Höhe von 225 Millionen USD [182 Mio. Euro] kassiert. 100 Mio. USD, die für Prodi bestimmt waren, und 50 Mio. USD für Fassino seien auf Tiroler Bankkonten gelandet, hatte Marini berichtet. Marini befindet sich seit Juli wegen Geldwäsche und Betrugs in einer Turiner Strafanstalt in Untersuchungshaft.
"Jetzt erwarte ich mir Entschuldigungen", reagierte Prodi auf Volpes Festnahme. In den vergangenen Monaten hatte er öfters jegliche Verwicklung in die Schmiergeldaffäre bestritten.
"Weder als privater Bürger noch als Regierungschef hatte ich damals etwas mit der Übernahme des Anteils an der Telekom Serbia zu tun. Es hätte auch keine Gründe gegeben, warum ich mich um die Übernahme hätte kümmern sollen", hatte sich Prodi verteidigt.
Prodi hatte sich über die "diffamierende Aktion" und die "Verleumdungskampagne" Marinis und Volpes entrüstet erklärt. Politische Beobachter hatten eine Verleumdungsaktion politischer Rivalen Prodis hinter den Schmiergeldvorwürfen vermutet. Mit dem angeblichen Schmiergeldskandal hatte sich auch eine parlamentarische Untersuchungskommission beschäftigt.
