24.02.2004

PLEITE

IBM blockiert Yline-Ausgleich

Im Verfahren um die insolvente Yline könnte es nun doch zu keinem Zwangsausgleich kommen. Der Yline Hauptgläubiger IBM hat am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt, nicht auf seine Forderung über 16,069 Mio. Euro verzichten zu wollen.

Grundlage für die IBM-Forderung ist eine offene Rechnung für 30.000 an Yline gelieferte PCs. Sollte IBM seine Forderung durchbringen, wäre der von Ex-Yline-Chef beantragte Zwangsausgleich hinfällig: Die notwendige Mindestquote von 20 Prozent wäre dann angesichts des verbliebenen Massevermögens - nach derzeitigem Stand 2,4 Mio. Euro - nicht mehr erreichbar.

"Wir können mitteilen, dass IBM weder beabsichtigt noch gewillt ist auf diese Forderungen zu verzichten. Vielmehr erwägt IBM, soweit weiterhin eine Weigerung des Masseverwalters auf Anerkennung der IBM Forderung erfolgt, diese Forderungen zum gegebenen Zeitpunkt auch unter Einschaltung der Gerichte geltend zu machen", betonte der Konzern.

Forderungsgeschichte

IBM hat seine Forderungen auch tatsächlich bereits 2001 "vollumfänglich beim Konkursgericht angemeldet". Der Masseverwalter hat in einem ersten Schritt, wie berichtet, diese Forderung bestritten.

Ein durch das Konkursgericht bestellter Sachverständiger, so IBM, habe in seinem Gutachten jedoch das Bestehen von IBM-Forderungen in Höhe von 13,6 Mio. Euro in der Yline-Bilanz bestätigt.

Außerdem soll laut dem Zwangsausgleichsantrag Böhms auch der Masseverwalter bereits angedeutet haben, dass diese Bestreitung nicht aufrechterhalten zu sei - gesetzt den Fall, dass IBM eine Feststellungsklage tatsächlich einbringen sollte, was IBM bisher jedoch noch nicht gemacht hat.

Kennern der Yline-Materie war es bis dato ein Rätsel, warum IBM seine Forderung bisher nicht wieder geltend gemacht hat. Zwar hat der Yline-Masseverwalter seinerseits eine Forderung über 6,6 Mio. Euro gegen IBM eingebracht, weil er IBM vorwirft, Yline 2001 noch Rechnungen gelegt zu haben, obwohl für den Konzern die objektive Zahlungunfähigkeit des Geschäftspartners bereits klar gewesen sein musste. aber selbst wenn der Masseverwalter mit seiner Anfechtung durchkommt, würde IBM bei Einforderung der eigenen Ausstände besser aussteigen als bei einem Zwangsausgleich.

Zeitplan

Die endgültige Entscheidung, ob es zu einem Yline-Zwangsausgleich kommt, soll Ende März oder Anfang April fallen.

Zuletzt hat ein Gutachten im Auftrag des Masseverwalters festgestellt, dass Yline für übernommene Firmen um mindestens 36 Mio. Euro zuviel gezahlt haben soll. Neue Klagen gegen einzelne Verkäufer, Wirtschaftsprüfer und die YLine-Vorstände sind anhängig.

Gutachten über einige Yline-Erwerbungen - darunter auch die Firma FirstInEx, an der bis zum Verkauf an Yline auch der Vater von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Karl Grasser, mit 0,73 Prozent beteiligt war - sind aber noch in Arbeit.

Geht der Zwangsausgleich durch, wären die eingebrachten Klagen ebenso wie die laufenden Untersuchungen hinfällig.