Chipimplantate für Kühe und Schafe
Angesichts immer wieder grassierender Tierseuchen will die EU neue Sicherheits- und Qualitätsstandards für europäische Fleischprodukte schaffen.
Daher wurde Ende 2003 vom Ministerrat eine Verordnung für die elektronische Kennzeichnung und Registrierung von Ziegen und Schafen mittels passiver Funktechnologie [RFID, Radio Frequency Identification] verabschiedet. Erste Versuchsaufbauten existieren bereits - im Rahmen eines spanischen Referenzprojekts sowie eines italienischen Pilotversuchs konnte Philips Semiconductors Styria seine RFID-Technologie für Nutztierkennzeichnung bereits implementieren.
Das notorische Auftreten von Tierepidemien wie BSE, der Maul- und Klauenseuche und der "Traberkrankheit" [Scrapie] bei Schafen hat in den letzten Jahren das Verbraucherverhalten gegenüber Fleischprodukten nachhaltig verändert. Ziel ist nun, dass diese Nahrungsmittel über den gesamten Beschaffungsweg "von der Weide bis auf den Teller" überprüft werden können.
Elektronische Kennzeichnung von Nutztieren
Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die elektronische
Kennzeichnung von Nutztieren zur Dokumentation aller relevanten
Daten zu einem wichtigen Markt für Identifikationslösungen mit einem
potenziellen Bedarf von weltweit rund einer Milliarde Funkchips pro
Jahr.
Funkchip-Kontrolle für KonsumentenRFIDs nach ISO-Standard 11784/85
Nach umfangreichen Tests im IDEA-Großversuch [International Institute for Democracy and Electoral Assistance], die im April 2002 positiv abgeschlossen wurden, hat der EU-Ministerrat Ende 2003 europaweit die individuelle elektronische Kennzeichnung von Schafen und Ziegen mit RFID-Chips verabschiedet.
Laut dieser Verordnung ist die Kennzeichnung mit Chip gemäss ISO-Standard 11784/85 vorerst optional, wird aber nach einer Übergangsphase ab 1. Jänner 2008 für Mitgliedsstaaten mit einer Schaf- und Ziegenpopulation von über 600.000 Tieren verpflichtend.
In Mitgliedsstaaten mit einer kleineren Population kann sie dann auf freiwilliger Basis eingeführt werden, außer für Tiere, die für den Handel innerhalb der EU bestimmt sind. Die gesammelten Informationen sollen in jedem Mitgliedsland in einer Datenbank zentral zusammengeführt werden.
Bestrebungen auch in Nordamerika
Vergleichbare Bestrebungen sind gegenwärtig auch in Nordamerika
im Gange: In Kanada ist die elektronische Kennzeichnung per 1.
Jänner 2005 vorgeschrieben und in den USA diskutiert man angesichts
der jüngsten BSE-Fälle ebenfalls über die verpflichtende
elektronische Kennzeichnung von Nutztieren.
Funkchips gegen RinderwahnChip wird über dem Huf injiziert
Anforderungen im Echtbetrieb sind eine hohe Lesereichweite und Robustheit gegenüber elektronischen Störsignalen.
Die spanische Viehzüchter-Vereinigung FEVEX hat im Frühjahr 2003 ein Lebendvieh-Identifikationssystem vorgestellt. Der Chip wird in diesem System in eine nur 22 mm lange und vier mm breite, chemikalien- und feuchtigkeitsresistente Glaskapsel eingesetzt und knapp über dem Huf des Rindes injiziert. Die elektronische Identifizierung erfolgt an festgelegten Sammelstellen über im Boden verankerte Leseantennen.
In Italien wurde ebenfalls ein Pilotprojekt zur elektronischen Nutztierkennzeichnung realisiert. Das System dokumentiert sämtliche Züchtungs- und Verarbeitungsstufen des Tieres, von der Geburt über Aufzucht bis hin zur Schlachtung und zum Verkauf an den Konsumenten.
Die Innovation besteht darin, dass erstmals auch das Tier selbst Träger sämtlicher relevanter Informationen wird. Die Daten sind nicht nur in einer zentralen Datenbank, sondern auch direkt auf dem in der Ohrmarke des Tieres integrierten RFID-Chip gespeichert.
Nach der Schlachtung werden die Daten aus dem Ohrmarken-Chip auf Tochter-Chips übertragen. Diese "Read only"-Chips sind an den Fleischstücken bzw. Tierkörpern angebracht, die in den Fleisch- und den Einzelhandel ausgeliefert werden.
