Widerstand gegen .SEX-Domain
Die seit 1998 periodisch wiederkehrenden Forderungen nach einer weltweit gültigen Toplevel-Domain für Porno-Angebote haben einen herben Rückschlag erlebt.
Ein von der "Network Working Group" der "Internet Engineering Task Force" veröffentlichtes Memorandum spricht sich vor allem aus technischen Gründen gegen die Einführung aus.
Die vor allem von US-Konservativen geforderte Einführung einer solchen Toplevel-Domain wird im ["Request for Comments" RFC 3675] als sowohl legal wie technisch "schlecht durchdacht" bezeichnet.
Letzlioch entscheidet immer noch die US-Regierung und nicht die [privat organisierte] Domainverwaltungsstelle ICANN, ob eine neue Toplevel-Domain zugelassen wird.
Das durch die Einführung der Domain angeblich erleichterte Content-Filtering sei ein gefährlicher Trugschluß. Alleine die Möglichkeiten verschiedenste Domain-Namen über die IP-Adresse zu legen sorge dafür, dass dieses System nicht richtig funktionieren würde.
RFC 3675 im VolltextNivelliert nach unten
Hintergrund sind Bestrebungen, die Porno-Industrie von "normalen" Domains weltweit auf eine einzige Toplevel-Domain wie .SEX abzudrängen.
Bürgerrechtsorganisation wie die American Civil Liberties Union [ACLU] und andere hatten gewarnt, dass alleine durch die völlig unterschiedlichen Moralvorstellungen und die daraus resultierende Diskrepanz der Einstufung von Websites als "pornographisch" eine unlösbare Situation entstehe.
Mit Ländern wie Holland, den USA bzw. China oder Saudi-Arabien einen gemeinsamen Standard zu finden, was etwa "Pornographie" sei und was nicht sei nicht vorstellbar, hiess es seitens der ACLU. Die Bürgerrechtler befürchten vor allem, dass durch die Frage "Pornographie" oder nicht, die Meinungsfreiheit für alle nach unten nivelliert werde.
Der letzte Vorstoss war von US-Senator Joseph Liebermann gekommen, der auch im Präsentschafts-Wahlkampf durch eher skurrile Stellungnahmen zum Internet aufgefallen war.
Die Industrie
Angeblich setzt die Porno-Branche allein in den USA rund eine
Mrd. USD um. Das amerikanische National Research Council schätzt,
dass diese Zahl in den nächsten vier Jahren auf fünf bis sieben Mrd.
USD wachsen wird. Im August 2003 etwa wurden geschätzte
24 Mio. Mal Porno-Sites aufgerufen"Adult Webmasters School"
Der durchschnittliche Erotik-Konsument besucht 121 Websites, kehrt sechs Mal zurück und verbringt eine Stunde und sieben Minuten pro Monat mit dem Ansehen von Pornos.
Das Online-Sex-Business ist so ziemlich die einzige E-Kommerz-Branche, die von Beginn an Gewinne realisieren konnte. Konsequenterweise wird jetzt eine Ausbildung in diesem Geschäft angeboten.
Die Traininingsschule Adult Webmasters School [AWS] in Berkeley lehrt ihre Schützlinge den richtigen Einstieg ins Online-Pornogeschäft.
Bei einem Großteil der Schüler handelt es sich laut AWS um Online-Business-Betreiber, die mit ihren bisherigen - "sauberen" - Unternehmen gescheitert sind.
Kurs für Online-Pornographen
