Schülerkarte im Fokus der Kritik
Die österreichweite Einführung der "Schülercard" wird von permanenten Diskussionen und heftiger Kritik begleitet.
Diese Prognose lässt sich jedenfalls nach einer Diskussion Dienstagabend in der HTL Spengergasse [1050 Wien] wagen. Was die Besetzung - ein Lehrer, eine Schulsprecherin, ein Ministerialbeamter, eine Richterin sowie ein Mann von Microsoft - eigentlich nicht versprach, begann am Ende der ersten Podiumsrunde.
Der Netzwerkchef der Schule [2:500 Clients] erklärte, er besitze selbst keine Karte und werde auch in Zukunft keine haben, solange das Design der Datenfelder und alle Fragen über künftige Zugriffsrechte und -möglichkeiten auf die Datensätze nicht geklärt seien.
Dann nahm der Netzwerkchef die Argumentation des Ministerialbeamten, was die geplante Aufrüstung der Karte mit Datenfeldern betraf, sowie den gesamten Security-Ansatz mit wenigen kurzen, aber prägnanten technischen Schlussfolgerungen auseinander.
Streit über Chipkarten-Ausweise für SchülerPublikum belustigt
Ab da hatte der Vertreter des Ministeriums - obgleich vom Moderator mehr als fair behandelt - seine liebe Not und erging sich vor allem in Beteuerungen, welche Daten nicht auf der Schülerkarte gespeichert werden sollen.
Dass dann auch keine zentrale Speicherung der Daten vorgesehen sei, fand das technisch teils sehr versierte Publikum [Schüler, Lehrer, Elternvertreter] weniger logisch als vielmehr lustig.
Der Microsoft-Vertreter wahrte nicht ganz überraschend noble Zurückhaltung, während Richterin Barbara Helige dem Ministerialbeamten die Leviten über Grund- und Menschenrechte von Minderjährigen las.
Die Schulsprecherin kritisierte die geplante Bildungsevidenz und warnte vor den Kontrollmöglichkeiten durch das elektronische Klassenbuch, dann ging es mit Wortmeldungen von Schülern, Lehrern und Eltern aus dem Publikum in ganz ähnlicher Tonart weiter.
Was die Karte kann bzw. können sollOffene Diskussionskultur
Am Ende der immer wieder durch Applaus unterbrochenen Veranstaltung erhob sich der Herr Direktor, der still im Publikum gesessen war, und sagte, warum sich die HTL Spengergasse am Pilotprojekt Schülercard überhaupt federführend beteiligt habe: Hätte man abgesagt, wäre das Projekt des Ministeriums an irgendeine andere Schule übertragen worden, wo vielleicht eine viel weniger offene Diskussionskultur herrsche.
Ein nicht nur technisch, sondern auch sozial so kontroversielles und höchst diskussionsbedürftiges Unterfangen wie die Einführung einer elektronischen Identitätskarte für Schüler sei in der Spengergasse deshalb am besten aufgehoben.
Die öffentlich zugängliche Veranstaltung wurde auch in andere Räume innerhalb des Schulgebäudes übertragen, dazu gab es einen Videostream.
