Szenen einer Mac-Beziehung
Was wäre Peter Purgathofer ohne Apple? Der Leiter der Arbeitsgruppe User Interface Design am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung der TU Wien über seine langjährige Mac-Beziehung:
1984: Ich lese erste Testberichte in c't, Chip und Computerwelt. Tenor: Spielzeug, Toaster - wirft warme Disketten aus - Turnschuhcomputer, obszön teuer. Auf der Ifabo sehe ich dann so einen Macintosh. Ich frage einen Verkäufer, wie man mit diesem Maus-Ding etwas treffen soll, wenn man es doch so schief in der Hand hält. Er schaut mich lange an und wendet sich dann einem anderen Kunden zu. Die Revolution hat mich noch nicht erreicht.
1985: Ich sitze an einem Mac und lasse Texte in die Seiten einer Zeitschrift fliessen. Nach etwa 4 Tagen schafft man es, mich vom Gerät zu lösen - es ist der Beginn einer langen Beziehung.
1987: Vor mir steht ein Macintosh II - 640x480! Farbe! Festplatte! Auf dem ich meine Diplomarbeit schreiben soll. Damit ich möglichst viel Zeit vor dem Gerät verbringen kann, zögere ich die Fertigstellung hinaus, aber nur um drei Jahre.
Apples Macintosh wird 20Von Bomben und Psychosemmeln
1991: Mein Vorsatz, nie mehr einen eigenen Computer zu besitzen, löst sich angesichts der ersten "Powerbooks" in Luft auf. Ab sofort wird das kleine Ding mein ständiger Begleiter. Aus Angst, es könnte beim Transport beschädigt werden, trage ich es in einer mit Handtüchern ausgekleideten Schachtel herum und werde so zum Gespött meiner Freunde. Egal, das ist es mir wert.
1996: Die Zeiten sind hart. Apple strauchelt im Versuch, eine aus rund 2.500 Modellen bestehende Produktpalette zu verkaufen; jede neue Version des Systems erhöht die Chancen, die nette "Bombe" eines Systemabsturzes zu sehen um etwa 300%. Stunden von Arbeit gehen verloren, weil der typische Crash natürlich dort implementiert wurde, wo man nach langer Arbeit zum erstenmal sichert..
1997: Nicholas Negroponte, Besitzer von 12 Macintoshs, steigt auf Windows um - dieser Verräter! Soll er doch auf ewig im Fegefeuer, das auf den Namen Windows hört, schmoren.
Nachtrag: einen Monat nach seinem Umstieg schreibt Negroponte sinngemäß: "Wie haltet ihr das aus?". Häme kommt auf.
Gleichzeitig krümme ich mich vor Schmerz: ein weiterer Absturz, eine weitere Stunde Arbeit auf immer verschwunden. Vermutlich sammeln sich die bei Abstürzen verlorengegangenen Daten dort, wo auch die jeweils zweiten Socken sind...
Happy Birthday, Macmatrix für Ö1-Club-Mitglieder
Ab SO 22:30 steht die Ö1-Sendung "matrix - computer & neue
medien" zum Download bereit!
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