20.01.2004

DEUTSCHLAND

Warnung vor Handel mit Kundendaten

Der deutsche Verband der Verbraucherzentralen [VZBV] hat vor einer zunehmenden unkontrollierten Weitergabe von Kunden- und Verbraucherdaten in der Wirtschaft gewarnt.

Die Unternehmen sammelten immer mehr und systematischer Daten über die Verbraucher, sagte VZBV-Vorstand Edda Müller. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und explosionsartigen Zunahme von Informationsströmen würden die Daten immer stärker vernetzt und ausgenutzt.

"Es gibt inzwischen einen massiven Adressenhandel", so Müller. Verstöße gegen das Datenschutzgesetz seien dabei keine Seltenheit. "Die sorglose Freigebigkeit vieler Verbraucher bei den eigenen Daten, die zunehmende Ausbeutung von Kundendaten und die neue staatliche Sammelwut nach dem 11. September verdichten sich zu einem gefährlichen Mix", warnte Müller.

Versicherungen, Kundenkarten, E-Commerce

Problematisch sieht die Verbraucherschützerin einerseits den Bereich der Lebens- und Krankenversicherungen. Dort würden Daten über Krankheiten erhoben und blieben gespeichert, auch wenn die Versicherung nie zu Stande komme.

Daneben sei der Datenschutz im Netz ein großes Problem. Hier würden beim Registrieren oder beim Bezahlen Daten erhoben, die überflüssig seien oder für die eine Zustimmung der Verbraucher fehle. Beim Überprüfen von 30 Websites habe der VZBV 16 Datenschutzverstöße festgestellt, darunter bei Firmen wie Mediamarkt, Otto, Quelle, TUI und Yahoo.

Weiters stellte der Verband bei Kundenkarten zahlreiche Verstöße gegen den Datenschutz fest. Derzeit seien mehr als 22 Millionen Kundenkarten in Deutschland im Einsatz, bei denen die Verbraucher Auskunft über den Kauf von Schmerzmitteln, Alkohol oder Ähnlichem gäben. Diese Daten würden vernetzt und möglicherweise an Versicherer und Finanzdienstleister weitergegeben, warnte Müller.