Warnung vor Handel mit Kundendaten
Der deutsche Verband der Verbraucherzentralen [VZBV] hat vor einer zunehmenden unkontrollierten Weitergabe von Kunden- und Verbraucherdaten in der Wirtschaft gewarnt.
Die Unternehmen sammelten immer mehr und systematischer Daten über die Verbraucher, sagte VZBV-Vorstand Edda Müller. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und explosionsartigen Zunahme von Informationsströmen würden die Daten immer stärker vernetzt und ausgenutzt.
"Es gibt inzwischen einen massiven Adressenhandel", so Müller. Verstöße gegen das Datenschutzgesetz seien dabei keine Seltenheit. "Die sorglose Freigebigkeit vieler Verbraucher bei den eigenen Daten, die zunehmende Ausbeutung von Kundendaten und die neue staatliche Sammelwut nach dem 11. September verdichten sich zu einem gefährlichen Mix", warnte Müller.
Verbraucher würden immer mehr mit unerwünschter Werbung belästigt. Es drohe zudem ein gläserner Kunde, der durch die über ihn gespeicherten Daten wirtschaftliche Nachteile fürchten müsse.
Was Kundenkarten alles verratenVersicherungen, Kundenkarten, E-Commerce
Problematisch sieht die Verbraucherschützerin einerseits den Bereich der Lebens- und Krankenversicherungen. Dort würden Daten über Krankheiten erhoben und blieben gespeichert, auch wenn die Versicherung nie zu Stande komme.
Daneben sei der Datenschutz im Netz ein großes Problem. Hier würden beim Registrieren oder beim Bezahlen Daten erhoben, die überflüssig seien oder für die eine Zustimmung der Verbraucher fehle. Beim Überprüfen von 30 Websites habe der VZBV 16 Datenschutzverstöße festgestellt, darunter bei Firmen wie Mediamarkt, Otto, Quelle, TUI und Yahoo.
Weiters stellte der Verband bei Kundenkarten zahlreiche Verstöße gegen den Datenschutz fest. Derzeit seien mehr als 22 Millionen Kundenkarten in Deutschland im Einsatz, bei denen die Verbraucher Auskunft über den Kauf von Schmerzmitteln, Alkohol oder Ähnlichem gäben. Diese Daten würden vernetzt und möglicherweise an Versicherer und Finanzdienstleister weitergegeben, warnte Müller.
Die Verbraucherschützer fordern ein Datenschutz-Audit und ein Datenschutzgütesiegel für Unternehmen, die korrekt mit Kundendaten umgehen. Zusätzlich sollten das deutsche Datenschutzgesetz verschärft und die Verbraucher stärker für den Datenschutz sensibilisiert werden. Der VZBV hat dafür zusammen mit Datenschutzexperten einen Leitfaden für Verbraucher und mittelständische Unternehmer entwickelt.
Tipps der Verbraucherschützer [pdf]
