Rechtestreit um Kopierschutz-CDs
Die Digitalisierung der Musik verlangt nicht nur nach neuen Medientypen und Wegen der Distribution, sondern auch nach einer Neuverteilung der Einnahmen.
Das fordern zumindest die Musikschaffenden von den großen Plattenlabels, die den Umbruch in der Musikindustrie zu neuen Tantiemenverhandlungen nutzen möchten.
Streitpunkt sind "Double Session"-CDs, die jeweils zwei Versionen ein und desselben Liedes beinhalten. Mit der in der Musikbranche anscheinend üblichen Logik wollen die Künstler für beide Versionen mit Tantiemen entlohnt werden.
Die Technik wird als Kopierschutz eingesetzt, eine Datenspur enthält dabei Audiodaten, die am Computer nicht abspielbar sind. Die zweite Session enthält eine für den Rechner lesbare digitale Version des Songs, oftmals im geschützten Windows-Media-Format.
Allein die Double-Session-Technologie von Macrovision kommt derzeit auf etwa 200 Millionen Musik-CDs zum Einsatz. Der MediaMax-CD-3-Kopierschutz von Suncomm machte bereits durch die einfache Umgehung von sich reden.
Mit der "Shift"-Taste Kopierschutz knackenVeraltete Verträge
Seit Monaten sind Musikverleger und Songschreiber mit den Plattenlabels in Verhandlungen.
"Aus rechtlicher Sicht sind auf diesen CDs jeweils zwei Kopien eines Songs", so Cary Ramos von der National Music Publishers' Association [NMPA]. "Nur weil es derselbe Titel ist, heißt es nicht, dass man die zwei Versionen wie eine behandeln muss."
Hintergrund der an dieser Technologie aufgehängten Streitigkeiten sind die meist veralteten Vertragsinhalte zwischen Künstlern und Plattenfirmen, die noch aus prä-digitalen Zeiten stammen und keine Regeln für den Verkauf digitaler Musik enthalten.
Die Künstler und Musikverleger wittern nun ihre Chance auf Neuerhandlungen.
Kleinere Musik-Publisher und Songschreiber erhalten durchschnittlich sieben bis acht US-Cent pro physische Kopie eines verkauften Songs.
Wer wie viel an Musik-Downloads verdientDutzende Mio. USD Nachzahlungen
Bei 200 Mio. CDs wären demnach mindestens zwei Milliarden Songs von den Forderungen der Musikverleger betroffen.
Auch bei nur wenigen Cents pro Song entspräche das Dutzenden Millionen USD Nachzahlungen für die Plattenlabels, sollten sie für den zweiten Session-Track bezahlen müssen.
Zwar strebt man allseits eine gütliche Eingung an, doch die Nerven liegen teilweise blank.
"Wir versuchen alles, um ein funktionierendes Geschäftsmodell aufzubauen", so David Ring vom Plattenlabel Universal. "Doch es ist frustrierend. Die Publisher, die einen größeren Teil vom Kuchen haben wollen, stehen den Labels gegenüber, die sich darauf berufen, dass der Kuchen insgesamt kleiner wird."
Abspielbarkeit der Double-Session-CDs
Die Plattenlabels machen sich derzeit jedoch mehr Sorgen um die
Kompatibilität der Double-Session-CDs mit den verschiedenen
Abspielgeräten als um die Tantiemenforderungen der Songschreiber.
Kopierschutz-CDs als "Kunden-Schikane"Einbußen wegen Hybrid-CDs befürchtet
Nicht nur die Double-Session-Discs, auch andere neue Audio-Formate wie die Super Audio Compact Discs [SACD] und Musik-DVDs, die neben hochqualitativen Musikfiles auch Songs in normaler CD-Qualität und Videos oder Filme beinhalten, verunsichern die Musikverleger und Songschreiber in finanzieller Hinsicht.
Sie fürchten, dass durch die Kombination verschiedener Formate auf einem Medium ihr Einkommen weiter geschmälert wird, da die Kunden nur noch eine Hybrid-CD kaufen werden statt zum Beispiel die DVD zum Film und die CD mit dem entsprechenden Soundtrack.
Ihr erklärtes Ziel ist daher eine Neuordnung der veralteten Lizenzstrukturen.
