Mit der "Shift"-Taste Kopierschutz knacken
Ein Student der Universität Princeton hat einen Weg gefunden, den Kopierschutz von Musik-CDs mit einem einfachen Tastendruck zu umgehen.
In Europa schon lange üblich, hat die Plattenfirma BMG [Bertelsmann Music Group] Ende September das erste kopiergeschützte Album ["Comin' From Where I'm From" von Anthony Hamilton] auf den US-Markt gebracht.
Das nahm der Student John Halderman zum Anlass, die dabei eingesetzte MediaMax-CD-3-Technologie von SunnComm genauer unter die Lupe zu nehmen.
Dreimaliges Brennen erlaubt
Der SunComm-Kopierschutz lässt den Konsumenten etwas Freiraum. So
kann die Musik-CD mit DRM-System am Computer gespeichert, auf
portable Geräte überspielt und insgesamt drei Mal gebrannt werden.
Erste Kopierschutz-CD in US-Regalen
Die ausführliche Anleitung von HaldermanAutostart verhindert
Die geschützte CD enthält zwei Datenspuren, eine Spur mit verschlüsselten Songs kann am CD-Player abgespielt, aber nicht kopiert werden.
Legt man die CD in sein Computerlaufwerk, startet sich unter Windows normalerweise die Anti-Piraterie-Software und verhindert somit das Kopieren oder Rippen als MP3.
Durch Drücken der "Shift"-Taste wird die automatische Ausführung der Verschlüsselungssoftware der MediaMax-CD-3-Software aber einfach unterbunden. Die Musik könne danach einfach auf der Festplatte gespeichert und beliebig kopiert werden, so Halderman.
Doch mit dieser Mitteilung konnte Halderman die Hersteller nicht aus der Fassung bringen. Sowohl BMG als auch SunnComm Technologies gaben an, sich schon vor dem Release des Albums dieses simplen Tricks bewusst gewesen zu sein.
"Haben uns bewusst dafür entschieden"
"Das war uns klar", so BMG-Sprecher Nathaniel Brown. "Wir sehen
die Kopierschutz-Technologie nur als eine Art Bodenschwelle, die ein
schnelles und einfaches Anfertigen zahlreicher Kopien des Inhalts
verhindern soll. Wir haben uns bewusst zu Gunsten von Abspielbarkeit
und Flexibilität für diese Software entschieden."
BMG
SunnCommAus den Fehlern in Europa gelernt
Die Leichtigkeit, mit der Halderman den Schutz übergehen konnte, zeigt den Drahtseilakt, den Plattenlabels derzeit gehen müssen, um ihre zahlenden Kunden nicht durch zu restriktive Technologien zu vergraulen.
Und die US-Industrie scheint dabei aus den Fehlern der Plattenlabels in Euopa gelernt zu haben.
Denn wie sich am europäischen Beispiel bereits gezeigt hat, ist der Kopierschutz allein nicht die Lösung der Absatzprobleme der Musikindustrie. Die in Europa eingesetzten Technologien verärgerten die Kunden oftmals durch Kompatibilitätsprobleme und fehlende Warnhinweise auf der CD-Hülle.
Doch für SunnComm-CEO Peter Jacobs geht es nicht um "alles oder nichts".
"Nur weil es möglich ist, ein Schloss aufzubrechen, und Anleitungen darüber im Internet kursieren, heißt das nicht, dass man sein Haus nicht trotzdem mit einem Schloss zu schützen versucht", so Jacobs.
"Schon der Akt des Tastendrückens macht den Leuten bewusst, dass sie hier etwas Illegales tun. Und allein dieses Gefühl wird wahrscheinlich viele davon abhalten."
